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Medien : ZDF-Chefredakteur: Besser zwei TV-Duelle

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ZDF-Chefredakteur Peter Frey wünscht sich Änderungen für das künftige TV-Duell der Kontrahenten zur Bundestagswahl.

«Besser wären zwei Duelle mit jeweils zwei Moderatoren, wie das 2002 auch der Fall war», sagte Frey im dpa-Interview. «Aber man kann keinen Gast in eine Sendung zwingen, zu der er nicht kommen will.»

Eine Fusion der Digitalkanäle von ARD und ZDF sieht er skeptisch: ZDFinfo und ZDFneo seien der erste systematische Erfolg des ZDF auf dem Weg zu einem jüngeren Fernseh-Publikum, sagte Frey. Ob ein gemeinsamer Jugendkanal schon 2015 starten kann wie ARD-Chef Lutz Marmor das für möglich hält, lässt der ZDF-Chefredakteur offen.

Frage: Das TV-Duell zwischen CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück hat auch eine Debatte über das Format mit vier Moderatoren ausgelöst. Wie ist Ihre Bilanz?

Antwort: Mehr als 17 Millionen Zuschauer sind ein starker Beleg dafür, dass die Sendung am Ende funktioniert hat. Natürlich ist das Format «vier Moderatoren gegen zwei Politiker» eigentlich nicht fernsehtauglich. Aber welcher Sender möchte denn auf seinen Kopf verzichten? Wir haben unter bekannt schwierigen Umständen das Beste daraus gemacht, übrigens mit großem Erfolg auch bei den unter 50-Jährigen, nicht nur bei den privaten Sendern.

Frage: Würden Sie es künftig wieder so machen?

Antwort: Wenn man keine Alternative hat, ja. Besser wären zwei Duelle mit jeweils zwei Moderatoren, wie das 2002 auch der Fall war. Aber man kann keinen Gast in eine Sendung zwingen, zu der er nicht kommen will.

Frage: Zwei Jahre alt ist der Digitalkanal ZDFinfo - mit einem Marktanteil von 0,8 Prozent nach 0,1 Prozent beim Infokanal vor zwei Jahren. Haben Sie damit gerechnet? Reicht Ihnen das?

Antwort: Dass die Kurve kontinuierlich steigt, ist ein beachtlicher Erfolg. Das muss noch nicht das Ende sein. Viele werden ja jetzt erst auf den Sender aufmerksam und die Zahl der Digitalhaushalte nimmt noch zu. Übrigens sind wir bei der männlichen Zielgruppe besonders erfolgreich, bei informationsorientierten unter 50-Jährigen.

Frage: Wie erklären Sie sich die Zunahme der Quoten?

Antwort: ZDFinfo hat in zwei Jahren ein glasklares Profil entwickelt: Der Kanal konzentriert sich auf Dokumentationen aus eng definierten Themenbereichen wie Geschichte und Zeitgeschichte, Wissen, Politik, Technik. Im amerikanischen Radio gibt es den Begriff «easy listening». Mir erscheint ZDFinfo so ein bisschen wie «easy information». Man kriegt immer was Interessantes mit und kann das auch mal nebenbei laufen lassen.

Frage: Was haben Sie bei ZDFinfo in den kommenden Monaten vor?

Antwort: Die finanziellen Grenzen sind eng. Aber wir werden weiter herausragende Dokumentationen einkaufen wie zuletzt die zwölfteilige «Geschichte der Menschheit». Im Jahr der Europawahl 2014 werden wir einen europäischen Akzent setzen. Wir werden auch weiter neue Formen und Themen testen, auch mit einer Sonderausgabe unseres Kernformats «log in» im Hauptprogramm, «Berlin PolitiX» wird schon von unserem Hauptstadtstudio mit produziert.

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft der Digitalkanäle vor dem Hintergrund, dass die Bundesländer eine Fusion fordern?

Antwort: Das Verblüffende und Erfreuliche ist doch, dass die beiden Digitalkanäle ZDFinfo und ZDFneo der erste systematische Erfolg des ZDF auf dem Weg zu einem jüngeren Fernsehpublikum sind, geradezu ein Schlüssel zu den Zielgruppen, die wir brauchen. Die spürbare Akzeptanz bei den unter 50-Jährigen, die ja auch Beitragszahler sind, ist ein ermutigender Anfang, den wir weiter ausbauen wollen. Auch deshalb steht die ZDF-Familie insgesamt ja auch besser da als viele Jahre lang. Ob eine Art Mini-Vollprogramm mit Fiction, Kultur und Dokumentation gleich erfolgreich wäre, kann man bezweifeln.

Frage: Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hält einen gemeinsamen Jugendkanal von ARD und ZDF schon Anfang 2015 für möglich. Ist das aus Ihrer Sicht realistisch?

Antwort: Der federführende SWR und das ZDF sprechen gerade über ein mögliches Konzept. Erst wenn das in Umrissen erkennbar wird, kann man einen Starttermin ins Auge fassen.

ZDFinfo

Peter Frey

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erstellt am 05.Sep.2013 | 11:21 Uhr

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