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Fernsehen

23. August 2017 | 01:00 Uhr

Fernsehen : Yella

vom

Sie ist schon eine Fremde, als sie noch einmal durch ihre ostdeutsche Heimatstadt Wittenberge geht. Yella (Nina Hoss) will fort von Zuhause, über die Elbe rüber in den Westen, um endlich einen guten Job zu ergattern. Zurück bleiben ihr trauriger Vater (Christian Redl) und ihr jähzorniger Ehemann Ben (Hinnerk Schönemann), dessen Firma insolvent ist.

Yella, deren Ehe gescheitert ist, setzt sich dagegen in Bewegung, will etwas erreichen, aber die Gespenster der Vergangenheit lassen sie nicht mehr los. In der Eröffnungssequenz geht Yella stumm und zielstrebig eine verlassene Straße hinunter, während der hilflose Ben erregt wie ein Teenager im Kreis um sie herumtänzelt.

In seinem Spielfilm «Yella» (3sat, 23.30 Uhr) von 2007 erzählt Regisseur Christian Petzold («Die innere Sicherheit», «Barbara») mit traumwandlerischer Sicherheit vom Aufbruch einer Frau ins Ungewisse. Entstanden ist so eine Art metaphysischer Thriller, der die bundesdeutsche Wirklichkeit porös erscheinen lässt. Die großartige Nina Hoss wurde für die Darstellung der Yella bei der diesjährigen Berlinale als beste Schauspielerin mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Ein seltsamer Rhythmus von Schlafen und Erwachen zieht sich durch dieses bis in die Nebenrollen hervorragend besetzte, glänzend inszenierte Psychodrama. Yella will endlich zu sich selbst kommen, aber eine große Müdigkeit hat sich wie eine schwarze Wolke über sie gelegt. Sie fährt mit dem Zug nach Hannover, mietet sich in einem anonymen Hotel ein, erlebt mit ihrem ersten Job ein Fiasko, lernt den eher verschlossenen Geschäftsmann Philipp (Devid Striesow) kennen, der für eine «Private Equity»-Firma arbeitet. Bald begleitet Yella Philipp zu seinen Geschäftsterminen und erweist sich schnell als gewiefte Strategin in der eiskalten Welt des Risikokapitals.

Yella und Philipp kommen sich auch privat näher, aber es liegt ein Schatten über ihrem Glück. Immer wieder taucht wie aus dem Nichts der Ex-Ehemann Ben auf, oder bildet Yella sich das nur ein? Ein neues Leben scheint in greifbare Nähe zu rücken, ein großer Coup muss noch gelingen. Yella fährt zu dem in finanziellen Nöten steckenden Kunden Dr. Gunthen (Burghart Klaußner), dessen Frau Barbara (Barbara Auer) ahnt Schlimmes. Es kommt zur Katastrophe, das Spiel ist aus.

Regisseur Christian Petzold gelingt das seltene Kunststück, die Realität so exakt wie möglich zu beschreiben und dennoch seinen Film in einer irrealen Schwebe zu halten. Die kunstvoll komponierten Bilder des Kameramanns Hans Fromm zeigen in aller Schärfe unsere entzauberte Welt des globalen Kapitals und dennoch ist jede Sequenz in ein Geheimnis gehüllt.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 00:07 Uhr

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