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Fernsehen

22. August 2017 | 11:59 Uhr

Medien : Willkommen im Club

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Rauschendes Meer, blauer Himmel, spanische Musik - doch bei den Wagners aus München kommt auf Teneriffa keine Ferienstimmung auf. Teenie-Tochter Sophie (Joanna Ferkic) zickt herum, bei Polizist Thilo (Richy Müller, «Tatort») und Journalistin Mona (Lisa Martinek, «Hochzeiten») herrscht Ehe-Flaute.

Urplötzlich, während alle drei in der Sonne braten, werden Nerven, Herz und Pflichtbewusstsein der Deutschen noch viel härter auf die Probe gestellt: Ein Boot spült völlig entkräftete Afrika-Flüchtlinge an ihren Strand - darunter den kleinen Jamaal (Sylvain Mabe). Für die Wagners, die den Jungen beschützen wollen, beginnt ein Versteckspiel mit der spanischen Polizei.

Mit dem Familienabenteuer «Willkommen im Club» schickt Sat.1 am Dienstag um 20.15 Uhr zum Saisonstart einen Beitrag in das Rennen um die Zuschauergunst, bei dem zwar sendergemäß massenkompatibel, aber durchaus sinnvoll und zum Nachdenken anregend zwei Welten miteinander verquickt sind. Auf der einen Seite steht der Versuch der beiden Wagners, ihre Ehe dort zu kitten, wo vor 15 Jahren für sie alles anfing, nämlich in der Clubanlage auf der Kanaren-Insel. Auf der anderen Seite greift die Produktion der Hager Moss Film (München) am Einzelbeispiel ein Thema von weltpolitischer Brisanz auf: die Tatsache, dass jedes Jahr wohl Zehntausende von Afrikanern versuchen, mit einer lebensgefährlichen, illegalen Mittelmeerüberquerung nach Europa Armut, Krieg und Elend auf ihrem Kontinent zu entkommen.

In realitätsnahem Ton und mit sehenswerten Darstellern zeichnet der aus Südafrika stammende Regisseur Oliver Schmitz (ARD-Serie «Türkisch für Anfänger») die Problemlage der Deutschen. «Du und ich, wir hatten mal Ideale», erinnert Mona ihren Thilo an den Beginn ihrer Beziehung. «Heute haben wir Doppeleinkommen, Bio-Diesel, Haus mit Garten.»

Stress auf hohem wirtschaftlichen Niveau also, wobei man genau das an einander verabscheut, was man einst geliebt hat - sie seine Korrektheit, er ihre Impulsivität. Mit eben dieser Eigenschaft stürzt sich die Urlauberin auch in das Projekt, das ihr quasi vor die Füße gefallen ist. Mona will den elfjährigen Senegalesen Jamaal vor der spanischen Polizei zu seinem in Bayern lebenden Vater schmuggeln. Kein Wunder, dass der pflichtgetreue Münchner Amtskollege Einspruch erhebt. Thilo erkennt ihren Versuch nicht nur als ungesetzlich. Er argumentiert, dass so ein Einzelfall ohnehin zur Lösung der Flüchtlingsproblematik nichts beitrage, sondern höchstens das Gewissen einer saturierten Mitteleuropäerin beruhige. Selbstredend verschärft sich bei diesen Auseinandersetzungen die Ehekrise der beiden.

Wird der Polizist sich für Pflichttreue oder für die Unterstützung von Frau, Tochter und kleinem Afrikaner entscheiden? Wohin wird ihre Impulsivität die engagierte Journalistin führen, die Jamaal in den Kofferraum packt und mit ihm zur Fähre nach Cadiz auf dem Festland braust? Und nicht zuletzt: Wie stehe ich selbst der Not afrikanischer Flüchtlinge gegenüber, die auf den Kanaren und in Italien meist in Lagern gesammelt und sofort zurückgeschickt werden? Fragen, über die das Fernsehpublikum sinnieren darf, während die kessen Sprüche der Tochter oder auch die stets vollgekifften Hippie-Bungalownachbarn die Stimmung auf dem Bildschirm auflockern. Gedreht wurde im Frühjahr übrigens nicht auf Teneriffa, sondern auf Mallorca, der guten Stube der Deutschen.

Willkommen im Club

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erstellt am 03.Sep.2013 | 00:07 Uhr

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