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Fernsehen

21. Oktober 2017 | 00:20 Uhr

Medien : Weniger ist mehr

vom

Eigentlich müsste die Geschichte so gehen: Frank Schuster hat eine tolle Familie, aber nie Zeit für sie, denn er arbeitet viel zu viel. Dann hat er einen schlimmen Autounfall, erkennt geläutert, was wirklich wichtig ist - und alle sind glücklich.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2013 | 00:07 Uhr

So einfach macht es sich der ARD-Film «Weniger ist mehr» (Freitag, 20.15 Uhr) aber nicht.

Zwar arbeitet Frank Schuster, dargestellt von Benno Fürmann (41, «Nordwand», «Hai-Alarm am Müggelsee»), erst mal wirklich zu viel. Er checkt seine Mails auch noch, wenn seine schöne Gattin Veronika (Ulrike C. Tscharre, 41, «Im Angesichts des Verbrechens») die Bluse schon ausgezogen hat. Er löst jedermanns Probleme im Handumdrehen und beim Joggen ist er der schnellste - natürlich mit Telefon am Ohr und immer gut drauf. Ein Überflieger.

Der Preis des Erfolgs: Viel zu wenig Zeit für Veronika und die Töchter Janina (Janina Fautz, 18) und Leonie (Lara Sophie Rottmann). Frank Schuster verpasst Theateraufführungen und vermasselt Hochzeitstage, da hilft auch eine Segeljacht nicht weiter. Seine Frau mahnt: «Weniger ist mehr.»

Und tatsächlich geht das Leben auf der Überholspur nicht lange gut. Nachdem Vater Schuster, völlig übermüdet, einen Autounfall knapp überlebt, hängt er seinen Führungsposten an den Nagel. Alles gut? Nein: Das alles geschieht in den ersten 20 Film-Minuten. Jetzt fangen die Probleme erst richtig an.

Zunächst bringt Frank Schuster, der den Managerposten gegen den heimischen Herd tauscht, Chaos ins geordnete Familienleben. Der Putzfrau erklärt er, wie man die Fenster streifenfrei bekommt, dem Gärtner, wie er zu rechen hat. Der überengagierte Familien-Manager weiß alles besser - Loriots Kultfilm «Pappa ante Portas» lässt grüßen. «Hoffentlich geht er bald wieder arbeiten», seufzt Tochter Janina schon bald.

Die Handlung kippt vom Komischen ins Tragische, als eine Investition schief läuft und die Familie vor dem sozialen Abstieg steht. Mein Haus, mein Auto, mein Boot - welchen Anteil haben Statussymbole am Familienglück? Wie sehr definiert der Beruf einen Menschen? Ein Mann, der seiner Familie nichts mehr bieten kann und dessen Frau nach 16 Jahren Pause wieder arbeiten gehen muss - ist das überhaupt noch ein Mann? Janinas neuer Schwarm zieht das jedenfalls großmäulig in Zweifel.

Irgendwann sitzt Vater Schuster mit einem Bier in der Hand im Dunkeln auf einer Kinderschaukel in einem Garten in einem ziemlich schäbigen Vorstadt-Viertel. Der bierbäuchige, Schnauzer tragende Nachbar tröstet. So muss Scheitern aussehen.

Mit Benno Fürmann ist die Rolle des abstützenden Überfliegers nicht nur prominent, sondern auch glücklich besetzt. Sein breites Siegergrinsen (am Anfang) und der ungläubig-verzweifelte Blick (später) bebildern perfekt die tiefe Krise des Frank Schuster. Den Figuren der zupackenden, loyalen Ehefrau und der zickenden älteren Tochter hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet - trotzdem kommt «Weniger ist mehr» mit einem erträglichen Maß an Klischees aus.

Regisseur Jan Ruzicka hat mit Fürmann bereits für die TV-Produktion «Der Mauerschütze» zusammengearbeitet, es ging um den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze. «Weniger ist mehr» ist leichterer Stoff, aber das Etikett «Komödie» verdient der Film nur bedingt. Ja, manchmal geht es lustig zu. Der Grundton jedoch ist nachdenklich, auch das Rundum-Happy-End bleibt den Zuschauern erspart - zum Glück.

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