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Fernsehen

17. Dezember 2017 | 03:35 Uhr

Medien : Weissensee

vom

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erstellt am 17.Sep.2013 | 00:07 Uhr

Die DDR-Serie «Weissensee» geht am Dienstag in die zweite Staffel. Wie auch die gesellschaftliche Situation im Jahr 1987 verschärfen sich auch für die Familien Kupfer und Hausmann die Konflikte. Berlin/Hamburg (dpa) - «Viele Lichtjahre von der Wirklichkeit entfernt, dringt die DDR in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch gesehen hat», dröhnt und höhnt eine Punkband im Gemeindehaus-Keller einer Kirche in Ost-Berlin. Oppositionelle und Umweltaktivisten feiern und machen dabei ihrem immer stärker werdenden Unmut Luft. Tatsächlich verschärfen sich in der zweiten Staffel der ARD-Serie «Weissensee» von diesem Dienstag (20.15 Uhr) an die Verhältnisse im real existierenden DDR-Sozialismus. Nach den Ereignissen in den ersten, im Herbst 2010 ausgestrahlten sechs Folgen geht es nun um buchstäblich todernste, keinesfalls rein private Konflikte anno 1987 - zwei Jahre vor dem Mauerfall. Wieder stehen sich die ungleichen Familien Kupfer und Hausmann nach Ideen von Annette Hess unter der Regie von Friedemann Fromm (50, «Nacht über Berlin») gegenüber. Ungemein überzeugende Darsteller wie Uwe Kockisch («Brunetti»), Florian Lukas, Jörg Hartmann, Anna Loos und Ruth Reinecke als privilegierte Kupfers mit zwei hochrangigen Stasi-Offizieren auf der einen Seite. Katrin Sass («Good-Bye, Lenin!») und Hannah Herzsprung als Liedermacherin Hausmann mit Tochter Julia auf der anderen. Wegen Landesverrat hat Julia fünf Jahre im Frauengefängnis Hoheneck verbracht. Das gemeinsame Kind mit dem früheren Volkspolizisten Martin Kupfer hat sie nach der Geburt verloren. Nach ihrer Freilassung fällt es der traumatisierten jungen Frau schwer, wieder Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. Um ihre Tochter zu schützen, hatte sich Dunja Hausmann bereit erklärt, als IM zu arbeiten und nur noch harmlose Schlager zu singen. Dabei verfällt sie dem Alkohol. Zugleich steht die Ehe von Martins Hardliner-Stasi-Bruder Falk (Hartmann) auf der Kippe - seine labile Frau Vera (Loos) verliebt sich in einen Pastor (Ronald Zehrfeld) und entdeckt dessen regimekritisches Umfeld. Die linientreue Mutter Kupfer (Reinecke) versucht, die Familie zusammen zu halten, doch ihr Mann, der zusehends menschlicher werdende Stasi-Hochschullehrer Hans (Kockisch), spürt immer noch Empfindungen für seine Jugendliebe Dunja. Während draußen in der totalitären Republik versteinerte alte Männer das Sagen haben, braut sich - ausgehend von Gorbatschows Glasnost und Perestroika - der politische Widerstand zusammen. All diese Probleme setzen die Beteiligten der Produktion von Ziegler Film für die ARD wohltuend klischeefrei und menschlich differenziert um. Akribischen Wert wurde wieder auf die Ausstattung (Frank Godt, Monika Hinz) gelegt. Vom Kakaogetränk «Trinkfix» bis zu den Original-Mielke-Möbeln an der Normannenstraße ist alles dabei. Allerdings fällt auf, dass die untergehende DDR ästhetisch gut wegkommt: Weder marode Straßenzüge noch heute unmodern anmutende Krissel-Dauerwellen sind zu entdecken. Dennoch wirkt die Atmosphäre echt. Es seien schon sehr besondere Dreharbeiten gewesen im Herbst 2011, sagte Ziegler-Film-Produzent Marc Müller-Kaldenberg der dpa bei einem Promotionstermin in Hamburg. Bewusst habe man sich für Schauspieler aus der DDR entschieden. «Das hat sich in der Tat als positiv herausgestellt, weil es die Authentizität der Geschichte und der Figuren verstärkt hat», erklärte Müller-Kaldenberg, «immer wieder haben Darsteller Ideen eingebracht.» So war «Trinkfix», wie Regisseur Fromm hinzufügte, einst der Lieblingsdrink von Florian Lukas (40), und Kockisch (69) steuerte politische Witze bei. Fromm betonte: «Es war für viele Kollegen eine schöne Erfahrung, dass sie sich austauschen konnten und über ihre persönlichen Geschichten wirklich geredet haben. Das war sehr spannend - auch, weil so ein Austausch in der DDR kaum möglich war und nach der Wende kaum stattfand.» Die Wende selbst wird in «Weissensee» auch noch zu erleben sein: Im nächsten Jahr beginnen die Dreharbeiten für die dritte Staffel, die nicht vor 2015 auf den Bildschirm kommt. Ausgangspunkt ist dann der Tag des Mauerfalls.

ARD

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