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Tatort-Kritik : Vom Comic-Helden zum Mörder

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Subtiler Schalk im Münsteraner Tatort: Das Jubiläumswerk zur 25. Folge ist Autor Lars Kraume gelungen, meint unser Autor.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 09:37 Uhr

Münster | Der an Skurrilitäten gewiss nicht arme „Tatort“ aus Münster musste sich Sonntagabend mal wieder selbst toppen. Schließlich gilt es, die 25. Folge seit 2002 zu begießen. Am besten mit Blut und einem komplett abgedrehten Mörder.

Lars Kraume (Buch und Regie) ist es, der uns diesen heiklen Dienst erweisen darf, weil wir ja nicht nur Gags, sondern auch Grips im „Tatort“ sehen wollen. Also lässt der TV-Magier einen grün maskierten Rächer von der Kette, der Baulöwen, Zuhältern und korrupten Politikern mit einem Hammer die Schädel einschlägt. Und damit unsere Kriminalen Thiel und Boerne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers) kapieren, dass ein Serienmörder unterwegs ist, verwendet Killer-Kermit einen Nummerierungsschlägel aus der Forstwirtschaft.

Die Zahl 1 kerbt sich in die Stirn eines Bauunternehmers, der ausgerechnet in der Täuferstadt Münster ein Großbordell errichten will. Schon läuft die Bürgerschaft dagegen Sturm. Schon predigt Landrat Seelig (Stephan Schwartz) den Puff zum Wellnesstempel, der Steuern und Arbeitsplätze verspricht. Da wird Zuälter Bruno Vogler in einem Parkhaus erschlagen (Frank Zander). Vom „Hammer“, wie sich der scheinbar psychopathische Mörder nach einer Comic-Figur selbst nennt.

Noch reißen die Kommissare ihre Witze über den Maskenmann. Doch Kripo-Schönchen Nadeshda (Friederike Kempter), Staatsanwaltsröhre Klemm (Mechthild Großmann) und Boernes „Alberich“ (ChrisTine Urspruch) finden das grausige Treiben bald gar nicht mehr lustig. Erst recht, als sich am Kopf eines weiteren Toten die Zahl 3 findet.

Mit welcher Ernsthaftigkeit Prahl und Liefers bei all diesem Klimbim ihre Figuren anlegen, ist erneut ein Phänomen – zwischen eigenbrötlerischer Naivität, westfälischer Schlitzohrigkeit und glaubhafter Verzweiflung. Zum Glück gerät diesmal der Schalk etwas subtiler, bleibt uns das Lachen ziemlich bald im Halse stecken. Zum einen wegen der Tragödie, die hinter den Morden steckt, zum anderen wegen der schrägen Komparserie (u.a. Milan Peschel, Anna Böttcher).

Die Jubiläumsfolge verfehlte den bisherigen Zuschauerrekord nur knapp. 12,78 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 35,0 Prozent) schalteten am Sonntagabend ein, um Boerne und Thiel bei der Lösung des Falles zu begleiten. Den Rekord hält die Folge „Summ, summ, summ“ vom März 2013. Damals verfolgten 12,81 Millionen Zuschauer den Münsteraner Tatort.

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