Medien : Unter Feinden

Driller (Nicholas Ofczarek, Mi.) und Kessel (Fritz Karl) in der Klemme. ZDF/Gordon Timpen
Driller (Nicholas Ofczarek, Mi.) und Kessel (Fritz Karl) in der Klemme. ZDF/Gordon Timpen

 Eigentlich ein Routinejob: Die Polizisten Kessel (Fritz Karl) und Driller (Nicholas Ofczarek) observieren in einer Nebenstraße der Großen Freiheit in Hamburg einen Verdächtigen.

shz.de von
15. November 2013, 00:07 Uhr

Neben dem Auto der Beamten spielen einige Jugendliche Basketball. Kessel wird nervös, er ist schwer drogensüchtig. Es kommt zu einer Rangelei, die Situation eskaliert, Kessel gibt Gas und überfährt einen der Jungs.

Sein Kollege Driller tut ab jetzt alles, um den Unfall zu vertuschen. Das starke TV-Krimidrama «Unter Feinden» von Regisseur Lars Becker nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Georg M. Oswald läuft am Freitag um 20.15 Uhr beim deutsch-französischen Kultursender Arte.

Der Name Lars Becker bürgt seit Jahren für Qualität. Für das ZDF betreut der 59-Jährige als Autor und Regisseur seit 2003 die Krimireihe «Nachtschicht», daneben dreht der Wahl-Hamburger, der sich auch als Krimiautor einen Namen gemacht hat, seit seinem Debütfilm «Schattenboxer» (1992) immer wieder kleine, lakonische Krimis, die mit den Standardformaten wenig zu tun haben. Ironie oder lustige Sprüche findet man in Beckers Neo-Noir-Dramen ebensowenig wie gemütliches Lokalkolorit, und statt der ewig gleichen TV-Gesichter und kommen bei ihm oft unbekanntere, aber profilierte Schauspieler zum Einsatz.

In «Unter Feinden» spielen die hierzulande wenig bekannten Österreicher Fritz Karl und Nicholas Ofczarek das ungleiche Ermittlerpaar, den drogensüchtigen Kessel und seinen Freund und Kollegen. Als Driller das Unfallopfer anonym im Krankenhaus abliefert, kommt seine Frau Maren (Birgit Minichmayr) ins Spiel. Die Krankenschwester ahnt schnell, dass mit Kessel einiges nicht stimmt.

Der steckt längst bis zum Hals im Drogensumpf, und legt sich dann noch mit extrem brutalen Handlangern des ehemaligen libyschen Geheimdienstes an, die in Deutschland Unterschlupf gefunden haben. Die unerbittliche Staatsanwältin Soraya Nazan (Melika Foroutan) hat längst beide Beamte ins Visier genommen. Da kann dann auch der joviale Vorgesetzte (Bernd Stegemann) für seine Ermittler nichts mehr tun. Mit der gnadenlosen Logik einer antiken Tragödie nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Vom Drehort sehen wir nicht den Sonnenuntergang am Elbstrand oder die propere Außenalster, sondern immer wieder schäbige Hinterhöfe, billige Absteigen in St. Pauli oder das schmucklose Reihenhaus von Driller. Hamburg kann sehr kalt sein.

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