zur Navigation springen

Medien : Und noch einmal: «Das Duell - Merkel gegen Steinbrück»

vom

Juni 2010, ein Frühsommertag, vor dem Kanzleramt. Zwei Männer im Businesshemd, wie man sie hier häufiger sieht, aber ohne Krawatte und insgesamt ziemlich entspannt.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2013 | 13:03 Uhr

Der eine Peer Steinbrück - damals ein freier Mann, nur noch einfacher SPD-Abgeordneter, ohne erkennbare Karrierepläne. Der andere der Filmemacher Stephan Lamby. Lamby fragt Steinbrück nach Ambitionen aufs Kanzleramt. Antwort: «Ich werde da allenfalls als Besucher reingehen.» Und noch deutlicher: «Ich schließe das aus.»

Das ist die Art von Bildern, die man als Kanzlerkandidat gern wegschließen würde. Jetzt wird die Szene im Fernsehen gezeigt - in einem ARD-Doppelporträt über Steinbrück und über Angela Merkel, die immer noch dort sitzt, wo er nun doch noch hin will. In dem 45-Minüter am Montagabend (22.45 Uhr) gibt es von Steinbrück auch einen Kurzkommentar zu seinem Meinungswandel: «Die Zeiten ändern sich.» Lehre: Ausschließen sollte man als Politiker eigentlich so gut wie nichts.

Der Film heißt, wie ein solcher Film sechs Tage vor der Wahl wohl heißen muss: «Das Duell - Merkel gegen Steinbrück». Auch wenn es in diesem Wahlkampf das TV-Duell zwischen den beiden Kontrahenten in echt schon gab. Alles in allem wird aber deutlich, dass die Frau von der CDU und der Mann von der SPD, die zwischen 2005 und 2009 gemeinsam in der Regierung saßen, eigentlich doch eine ziemlich hohe Meinung voneinander haben.

Die Kanzlerin lobt: «Wir haben in allen entscheidenden Fragen immer eine gemeinsame Lösung gefunden.» Und ihr ehemaliger Finanzminister: «Ich habe gar keine Mühe anzuerkennen, dass das eine sehr begriffsschnelle Frau ist. Dass die sehr verlässlich ist und auch ein Vertrauen aufbaut, wenn sie den Eindruck hat, dass der Gegenüber diskret ist.»

Trotzdem sorgte der Film schon vorab für Ärger, weil Merkel darin die SPD wegen ihrer Haltung zum Euro als «total unzuverlässig» schilt - obwohl die Sozialdemokraten im Bundestag die wichtigsten Entscheidungen zur Euro-Rettung mittrugen. Steinbrück empörte sich mächtig darüber. Die Ausschnitte waren Thema in der «Tagesschau». Merkel bemühte sich mit einer offiziellen Stellungnahme um Schadensbegrenzung.

Größeren Nachrichtenwert hat «Das Duell» nun nicht mehr zu bieten. Durch die Dauerbeobachtung, unter der die beiden jetzt schon länger stehen, ist das meiste doch schon bekannt. Auch TV-Porträts über Merkel und Steinbrück gab es schon einige. Für die öffentlich-rechtlichen Sender gehört das vor der Wahl zum Pflichtprogramm - auch wenn das ZDF zuletzt sehr schlechte Erfahrungen machte: Das Steinbrück-Porträt wollten trotz bester Sendezeit lediglich 1,8 Millionen Zuschauer sehen, das Merkel-Porträt eine Million mehr.

Das Aufbleiben am Montagabend lohnt sich aber doch - zum Beispiel wegen einer Szene, wie Steinbrück am Ufer des Rhein Zeitungsschelte betreibt, mit einer Selbsterkenntnis im schönsten Politikerdeutsch: «Meine Person ist eine, die polarisierend wirkt auf manche.» Merkel ließ die Fernsehleute nie so nah an sich ran - ein Interview im Kanzleramt, die offiziellen Termine, mehr war nicht.

Lamby hat für sein Porträt aber ein schönes Geständnis ausgegraben, von einer Rede, die die Kanzlerin 2007 bei der Feier zu Hans-Dietrich Genschers 80. Geburtstag hielt. Darin schilderte sie, wie sie einst als Vizesprecherin der letzten DDR-Regierung bei einem Hintergrundgespräch mit Genscher dabei war. Der Außenminister habe sich in einer gewissen «Unbestimmtheit» geäußert und doch seien alle zufrieden gewesen. «Das hat bei mir, ehrlich gesagt, auf meinen politischen Lernweg eine nachhaltige Wirkung entfaltet.» Nach diesem Wahlkampf lässt sich das glauben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen