Medien : Totenengel: Van Leeuwens zweiter Fall

Der Amsterdamer Kommissar Bruno van Leeuwen (Peter Haber) mit seiner Kollegin Julika Tambur (Jasmin Gerat). ZDF
Der Amsterdamer Kommissar Bruno van Leeuwen (Peter Haber) mit seiner Kollegin Julika Tambur (Jasmin Gerat). ZDF

Der Hauptdarsteller stammt aus Schweden, der Rest aus Deutschland, der Krimischauplatz ist das schwer überschaubare, verwinkelte und leicht verruchte Amsterdam.

shz.de von
04. November 2013, 00:07 Uhr

Die Mischung macht's im ZDF: Kriminalkommissar Bruno van Leeuwen, gespielt von Peter Haber (60), muss im Auftrag des Mainzer Senders in Holland den Mord an einem Lehrer aufklären. Van Leeuwen ist so eine Art niederländischer Kurt Wallander, wortkarg, vierschrötig, gegen den Strich gebürstet.

«Totenengel: Van Leeuwens zweiter Fall», an diesem Montag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen, beruht schon wie der erste Krimi («Eine Frau verschwindet») auf einer Romanvorlage von Claus Cornelius Fischer, einem in Berlin gebürtigen Autoren. Regie führte Matti Geschonneck (61), der für das ZDF und für deren Produktionsfirma Network Movie bereits einige Kriminaldramen inszeniert hat, wie zum Beispiel «Tod einer Polizistin», «Der Verdacht» oder «Tod in Istanbul». Jasmin Gerat und Katja Riemann ergänzen das Polizeiteam.

Bruno van Leeuwen ist der einsame Wolf, der oft durch die Prostituiertenviertel der holländischen Hauptstadt streift und auch von ihnen erkannt wird, weil er so allein ist wie sie auch. Seine Frau ist vor einigen Monaten gestorben, da kann es ihm recht sein, wenn an seinem Arbeitsplatz etwas geschieht. Ein Lehrer, Gerrit Suiker, ist erdrosselt worden - mitten im Rotlichtbezirk. Wissen die Damen des horizontalen Gewerbes etwas über den Mord?

Die Spur führt van Leeuwen in die Croonen Kliniek, in der Dr. van der Meer (Christian Berkel) mit Gerüchten leben muss, dass er die in den Niederlanden erlaubte Sterbehilfe in übertriebenem Maß nutzt - sein Spitzname lautet: «Der Tod im weißem Kittel». Bei ihm in der Klinik liegt Gerrit Suikers Frau, nach einer Gehirntumor-OP dem Tode geweiht, nur noch von der Maschine am Leben gehalten. Mit ihrem Mann hat sich van der Meer häufiger gestritten. Doch welche Rolle spielt sein psychologischer Berater, Roelof Jacobs (David Rott)?

David Rott in einer ganz anderen Rolle: Noch eine Woche zuvor war der 36-Jährige im ZDF-Drama «Blutgeld» als einer von drei Brüdern zu sehen, die nach der Einnahme eines aidsverseuchten Medikaments HIV-positiv wurden. Als Krankenhauspsychologe scheint er den Schlüssel zur Aufklärung des Mords an dem Lehrer zu liefern, denn die Prostituierte Sherry (Christina Hecke) scheint auch ihm nicht unbekannt zu sein.

Die dunkle Seite des quirligen Amsterdams schmeckt dem deutschen TV-Publikum. Rund 5,8 Millionen Zuschauer sahen van Leeuwens ersten Fall im Oktober 2012. Schauspieler Haber musste seine Einsätze mit einer Dialogtrainerin einstudieren, obwohl sein Vater aus Deutschland stammte. «Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich zwei Stunden Vorbereitung gebraucht habe, während meine deutschen Kollegen in einer Stunde fertig waren», berichtete Haber in einem ZDF-Interview.

Die Angst, nach Hause zu gehen, treibe van Leeuwen durch die Stadt. «Er zieht Alleingänge durch und kommuniziert nicht mehr mit seinem Team», sagt Haber. «Doch auf den Rat seiner Kollegen, zum Psychologen zu gehen, reagiert er wieder nur aggressiv. Ein Mensch, der solche Probleme hat, versteht das ja selbst nicht. Van Leeuwen meint zum Beispiel, es sei ein gutes Zeichen, dass er es nicht schafft, das Grab seiner Frau zu besuchen.» Ein Kollege, der genau das tut, wird von Haber jedoch harsch zur Rechenschaft gezogen.

Nach Angaben einer Sendersprecherin ist ein dritter Fall mit dem holländischen Wallander in der Planung. Ob es zur Realisierung kommt, dürfte auch im ZDF am Montag die Quote entscheiden.

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