GNTM-Finale 2018 : Toni ist „Germany‘s Next Topmodel“ – und nun?

<p>Toni siegt im Finale der 13. Staffel der Castingshow „Germany's Next Topmodel“ (GNTM).</p>

Toni siegt im Finale der 13. Staffel der Castingshow „Germany's Next Topmodel“ (GNTM).

Toni Dreher-Adenuga gewinnt das Finale von „Germany’s Next Topmodel 2018“ – in einer Show, in der man außer der Werbung nichts begriff. Rückblick auf einen bizarren Abend.

shz.de von
25. Mai 2018, 02:01 Uhr

GNTM 2018 ist Geschichte. Die 18-jährige Toni gewinnt; und Heidi Klum liefert eine Show von zäher Langeweile ab. Immerhin: Ihr Freund Tom Kaulitz saß im Publikum und wirkte zufrieden.

GNTM-Finale 2018: Worum geht‘s hier eigentlich?

Ein GNTM-Finale verhält sich zu GNTM so wie „Star Wars Monopoly“ zu den Filmen: Die Figuren sind dieselben, aber sonst ist alles anders. Statt einer Reality-Soap, die professionell Teenies blamiert, beendet Pro Sieben die Staffel auch diesmal mit einer Live-Show, bei der man gar nichts begreift. Schon als Hans Klok die Protagonisten in den Düsseldorfer ISS-Dome zaubert, kommt Unsicherheit auf: Sind die Models hier Assistentinnen des Magiers oder die Stars? Die Frage bleibt das Kernproblem des Abends. Ob Cro singt oder Rita Ora: Immer sind auch Models auf der Bühne und machen irgendwas Bizarres – von der Wand hinabsteigen zum Beispiel, mit Dragqueens paradieren oder in Unterwäsche riesige Flügel herumtragen. Immer passiert alles auf einmal.

Fällt Heidi Klums Entscheidung wirklich im letzten Werbeblock?

Fest steht dabei nur: Um die Kleider, die bei Modenschauen sonst wohl im Zentrum stehen, geht es hier nicht. Worum aber dann? Um die Musik? Die Kandidatinnen? Oder einfach nur darum, den Zeitplan der Show einzuhalten. Dafür spricht der Auftritt von Wincent Weiss. Als nur noch Toni und Julianna im Rennen sind, unterbricht der Musiker seinen Song für zweimal sechzig Sekunden und lässt sich mit den beiden fotografieren. Danach setzt er unverdrossen den Refrain fort, der ihm so gleichgültig zu sein scheint wie dem Publikum.

Natürlich läuft das GNTM-Finale auf ein erkennbares Ziel hinaus: Um 23 Uhr kriegt eine Kandidatin den Titel, 100.000 Euro, das Cover der „Harper’s Bazaar“, ein Auto und einen Model-Vertrag . Auf dem Weg dahin wird mit jeder Übung eine neue Finalistin aussortiert. Aber selbst dieses Grundgerüst hat was Beliebiges: Anders als bei Wettbewerben wie DSDS spielt die Live-Performance hier gar keine Rolle mehr. Schließlich kürt nicht das TV-Publikum die Siegerin, sondern einzig und allein Heidi Klum. Und es ist schwer zu glauben, dass sie die Willkür-Entscheidung, wie sie selbst behauptet, wirklich erst im letzten Werbeblock trifft.

<p>GNTM 2018; Die Finalistinnen Toni (18, Stuttgart), Pia (22, München), Julianna (20, Klein-Winternheim) und Christina (22, Dudenhofen). Foto: Martin Ehleben, Pro Sieben</p>

GNTM 2018; Die Finalistinnen Toni (18, Stuttgart), Pia (22, München), Julianna (20, Klein-Winternheim) und Christina (22, Dudenhofen). Foto: Martin Ehleben, Pro Sieben

 

Wer siegt wirklich: Toni? Oder Klaudia?

Sogar am Sieg selbst hängt immer noch ein Fragezeichen: Selbstverständlich ist Toni Dreher-Adenuga, die dann schließlich „Germany’s Next Topmodel wird, eine Karriere am Catwalk zuzutrauen. Vielleicht ist der wahre Star des Abends aber trotzdem nicht die 18-Jährige. Vielleicht ist es stattdessen Klaudia Giez, die bei Pro Sieben nur „Klaudia mit K“ heißt und mittendrin den Trostpreis der Show erhält. Ihre Preisrede – ein dreiminütiges Gefasel, das selbst Heidi Klum nicht beenden kann – legt zwar nahe, dass der „Personality Award“ an die Falsche gegangen ist. Bei Instagram herrscht Klaudia allerdings über 330.000 Follower. Die Siegerin Toni kommt nicht mal auf die Hälfte dieser Reichweite. Wer hat also wirklich gewonnen?

Im Werbeblock steckt mehr GNTM als in der Show

Fragen über Fragen. Vertraute Verhältnisse stellen sich nur in den Werbeblöcken ein, die Pro Sieben schon nach der ersten Viertelstunde schaltet; sie zerdehnen das Finale genauso wie jede andere GNTM-Episode auch. Und im Grunde ist die Reklame näher an „Germany’s Next Topmodel“ als die Live-Show drumherum. In all den GNTM-Folgen war ja zu sehen, wie sie entstanden ist: der „About You“-Spot mit Toni und Julianna etwa oder Christinas Film über den Damenrasierer von Braun. Das muss man sich immer wieder bewusst machen: Der Werbeblock, bei dem normale Menschen pinkeln gehen, ist der Sehnsuchtsort von GNTM. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen und ich danke dem Herrn dafür“, sagt Toni nach ihrem Sieg. „Und eines weiß ich: Dass ich mir immer treu geblieben bin.“ Und sich treu zu bleiben, das bedeutet bei GNTM: Aufkreischen, wenn Heidi Klum die Lidl-Kollektion rausholt. Vor Freude durchdrehen, wenn der Kunde einem Sandaletten von Deichmann hinwirft.

Wer war im GNTM-Finale 2018?

Lesen Sie hier die Porträts von

Toni Dreher-Adenuga,

Christina Peno,

Pia Riegel,

Julianna Townsend.

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