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„Mercy“ : „The Walking Dead“: So gut ist die erste Folge der achten Staffel

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Die neue Staffel von „The Walking Dead“ beginnt actionreich. Doch die erste Folge hat auch Schwächen. Ein Überblick.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 15:15 Uhr

Achtung, im Text folgen Spoiler!

Der Krieg ist da! Was sich im Finale der siebten Staffel von „The Walking Dead“ angekündigt hatte, wird in der ersten Folge von Staffel 8 fortgeführt: Rick Grimes (Andrew Lincoln) und seine Verbündeten ziehen in den Krieg gegen Negan (Jeffrey Dean Morgan). Deshalb gibt es zu Beginn eine mitreißende Rede von Rick, ergänzt vom Anführer des „Kingdoms“, Ezekiel, und Maggie (Lauren Cohan), die für die Kolonie Hilltop spricht.

Rick will Negan töten

In parallel ablaufenden Handlungen werden die Vorbereitungen gezeigt: Carol (Melissa McBride), Tara (Alanna Masterson), Morgan (Lennie James) und Daryl (Norman Reedus) lotsen mithilfe von explodieren Autos eine große Zombieherde zu Negans Reich, dem Sanctuary. Rick und seine Verbündeten haben Wagen zu Schutzschilden umfunktioniert und eine Menge Waffen im Gepäck. Derart gerüstet greifen sie das Sanctuary an, aber Rick will eigentlich nur noch einen töten: Negan.

Vater Gabriels Fehler

Der Anführer der Saviors stellt sich vor Rick in gewohnt lässiger Manier zur Schau, umgeben von seinen Lieblingen, darunter Eugene, Simon und Dwight. Bevor die Schießerei auf die Saviors losgeht, warnt Gregory, der eigentliche Anführer von Hilltop, seine Leute davor, sich Rick anzuschließen. Doch Jesus stärkt Maggie den Rücken, indem er ruft, dass Hilltop hinter ihr und nicht mehr hinter Gregory steht. Damit fällt auch Gregory in Negans Gunst und wird dem Gewehrfeuer und den Zombies überlassen.

Bei der Schießerei, die Rick auslöst, wird niemand der Saviors verletzt. So verpufft die Wirkung des Angriffs auf Negan und seine Leute, die Zombies fallen zwar in die Zuflucht ein, aber niemand kommt zu Schaden. Einzig Vater Gabriel macht einen großen Fehler: Er sieht, wie Gregory allein zurückgelassen wird, will ihm helfen und wird damit belohnt, dass Gregory seinen Wagen stiehlt. Ach, Gabriel, du armer gutgläubiger Tor!

Doch er hat Glück im Unglück und stirbt nicht, zumindest nicht sofort: Er rettet sich in einen Bauwagen, aber dort ist er nicht allein. Negan hat sich ebenfalls dort hinein gerettet. Diese Begegnung dürfte in den nächsten Episoden noch interessant werden, denn die Macher von „The Walking Dead“ haben erklärt, mehr aus Negans Vergangenheit zu offenbaren. Und wer eignet sich besser für eine Beichte als ein Priester?

Merkwürdige Zeitsprünge

„Mercy“ ist keine geradlinig erzählte Episode, sie wird durchbrochen von drei Zeitsprüngen. Zum einen gibt es die aktuelle Zeit, in der der Angriff stattfindt, dazu kommen noch zwei später spielende Szenen mit Rick im Mittelpunkt. Eine Szene aus dem Trailer zur achten Staffel wird aufgegriffen, die bereits für viel Verwirrung bei den Fans gesorgt hat: Ein älterer Rick liegt mit grauen Haaren und langem Bart im Bett, als er aufsteht und durchs Haus geht, befinden sich dort noch Michonne (Danai Gurira), Carl (Chandler Riggs) und eine ältere Judith, vielleicht neun oder zehn Jahre alt. Alles wirkt friedlich, eine Party wird vorbereitet.

Die Szenen mit dem alten Rick wirken wie eine Traumsequenz oder eine Vision, aber vielleicht ist es auch der Blick in eine realistische Zukunft. In der Comicvorlage von Robert Kirkman gibt es nach dem Krieg gegen Negan einen kleinen Zeitsprung, möglicherweise orientiert sich die TV-Serie daran.

Was es mit dieser Szene auf sich hat, soll erst ein paar Folgen später erklärt werden, sagte Regisseur Greg Nicotero in einem Interview mit dem US-Magazin Entertainment Weekly. Auch über eine weitere Szene mit Rick müssen wir weiter grübeln: Mit rot verweinten Augen zitiert er einen Satz aus dem Koran: „Meine Gnade siegt über meinen Zorn.“ Dieser Satz dürfte titelgebend für die Episode „Mercy“ (auf Deutsch heißt die Folge unverständlicherweise „Erster Kampf“) sein, aber es ist unklar, wann genau diese Szene spielt. Rick sieht verzweifelt aus, hat Negan zurückgeschlagen?

100. Folge erinnert an Staffel 1

Die beste Szene hat überraschenderweise Carl Grimes: Die Auftaktfolge der achten Staffel von „The Walking Dead“ ist gleichzeitig die 100. Folge der Serie und daher gespickt mit ein paar Anspielungen an vergangene Episoden. So kauert Carol neben einer Mauer, auf der eine Blume gemalt ist, eine Andeutung auf die „Cherokee Rose“ und damit auf den wichtigsten Moment zwischen Carol und Daryl, als sie Carols Tochter suchen.

Und Carl spielt die erste Szene der allerersten Folge von „The Walking Dead“ nach, in der Rick auf der Suche nach Benzin auf das Zombiemädchen trifft. Carl trifft allerdings auf einen verzweifelten Mann, der unter anderem den Satz über die Gnade aus dem Koran zitiert, während er wild vor sich hin murmelt. Der Mann ist auf der Suche nach Essen und Carl will ihm helfen, aber er wird von Rick vertrieben.

Im Gegensatz zu Rick hat Carl noch Hoffnung, dass es andere gute Menschen gibt, Rick hingegen sieht überall nur noch Saviors und Verräter. Später legt Carl dem Mann zwei Dosen mit Essen hin sowie eine Notiz, auf der „Sorry“ steht. Endlich hat Carl mal eine wichtige Szene, die zeigt, dass der brutale und erbarmungslose Rick zurück ist, aber jemand aus seiner Truppe noch Vertrauen in die Menschen hat.

Was ist mit Michonne los?

In „Mercy“ sehen wir eine starke Maggie, die Glenns Erbe hochhalten und kämpfen will, die wieder kampfbereite Carol und andere Frauen, die sich mit Rick gegen Negan stellen. Doch Michonne sucht man darunter vergebens. Einst die schlagkräftigste Frau, ist sie nun zum Hausmütterchen degradiert worden und muss mit Carl in Alexandria bleiben, während die anderen in den Kampf ziehen.

Ihre Rolle hat bereits in Staffel 6 und 7 gelitten, und das scheint sich auch in Staffel 8 nicht zu ändern. Seitdem sie mit Rick eine Beziehung führt, ist sie in den Hintergrund getreten und spielt so gut wie keine Rolle mehr. Aber immerhin scheint sie einen Jungbrunnen entdeckt zu haben, denn in der Szene mit dem alten, grauen Rick sieht sie immer noch so aus wie jetzt.

Fazit von „Mercy“

Staffel 8 soll laut Aussagen der Schauspieler und Produzenten wieder an die alten Zeiten anknüpfen und die schlechte Staffel 7 vergessen lassen. Mit „Mercy“ gelingt ein actionreicher Auftakt, viel Charakterentwicklung gibt es aber nicht. Die Zeitsprünge sind recht verwirrend, auch der Angriff auf die Saviors ohne Opfer enttäuscht letztlich. Die Anspielungen auf alte Folgen sind ein netter Service für die Fans, dennoch überzeugt die 100. Episode nicht komplett.

Es fehlen richtig spannende Momente, in denen man um die Charaktere bangen muss. Über Vater Gabriels immer noch andauernde Naivität kann man nur den Kopf schütteln, aber immerhin: Tiger Shiva ist nach wie vor sehr gut animiert. Bleibt zu hoffen, dass Staffel 8 ohne miese Effekte auskommt.

Die Auftaktfolge der achten Staffel von „The Walking Dead“ wird am heutigen Montagabend ab 21 Uhr auf dem Pay-TV-Sender Fox ausgestrahlt. Im Anschluss daran ist die Folge auf Sky Go, Sky On Demand und Sky Ticket abrufbar.

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