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Fernsehen

22. August 2017 | 15:47 Uhr

Medien : The Tree

vom

Die Champions League hat das Fernsehen am Mittwochabend voll im Griff. Wenn die Fußball-Giganten Manchester City und Bayern München im ZDF aufeinandertreffen, haben es die Konkurrenzsender nicht einfach und reagieren zumeist mit Wiederholungen.

Lediglich der Kultursender Arte bringt mit dem 2010 entstandenen französischen Drama «The Tree», «Der Baum», um 20.15 Uhr eine Film-Erstausstrahlung - Sie hatte in den deutschen Kinos im Frühjahr 2011 ihr Debüt.

Im Film führt Dawn ein glückliches Familienleben, bis zu jenem Tag, an dem Simon, ihr Mann und Vater ihrer vier Kinder, abrupt aus dem Leben gerissen wird. Dawn (Charlotte Gainsbourg) bricht völlig zusammen und bekommt ihre Trauer nicht in den Griff. Die achtjährige Simone glaubt dagegen, dass ihr Vater in dem großen imposanten Feigenbaum weiterlebt, der mitten in ihrem Garten steht, und mit ihr durch die raschelnden Blätter spricht.

Der Baum nimmt eine geheimnisvolle Stellung ein, vor allem wenn er sich mit Simone gegen den neuen Mann von Dawn zu solidarisieren scheint und ein gewisses Eigenleben entwickelt: Als Dawn nach mehrmonatiger Trauerzeit eines Nachts nicht nach Hause kommt, krachen Äste durch das Schlafzimmerfenster und machen sich im Ehebett breit.

Der knorrige Feigenbaum entpuppt sich nicht zuletzt als eine Art Poltergeist: Seine Wurzeln wuchern, wachsen in die Rohre des Hauses hinein und bedrohen das Heim der Familie. Auf beeindruckende Weise stellt die Regisseurin die ebenso magische, urwüchsige wie zerstörerische Kraft des Titanen dar, ohne ihn zu überhöhen.

Der Tod eines geliebten Menschen ist aufgrund seiner metaphysischen Fragen und Emotionen, die er auslöst, ein Thema, das im Kino häufig und vielseitig behandelt wird. Regisseurin Julie Bertuccelli greift hier auf das Kinderbuch von Judy Pascoe, «Die Geschichte vom großen Baum», zurück. Der Ansatz, der in «The Tree» zugrunde liegt, ist interessant, doch hätte das Werk mit Charlotte Gainsbourg, der Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin, etwas mehr Emotionen und psychologische Tiefe verdient.

Die Charaktere zeigen einige Schwächen: Sie bleiben nur allzu schemenhaft, vor allem Simones Geschwister Tim, Lou und Charlie. Auch bei Dawn - trotz der schauspielerischen Leistung von Charlotte Gainsbourg - geht die Regisseurin nicht ausreichend in die Tiefe und begnügt sich mit den üblichen und abgenutzten Schema-F-Reaktionen: Weinen beim Sex mit dem neuen Mann, völlige Lethargie und Abtauchen im dunklen Schlafzimmer. Einzig Simone, hervorragend von Morgana Davies gespielt, lässt den Zuschauer tief in ihre Seele blicken.

Der Film bleibt dennoch sehenswert, denn Verlust und Trauer werden auf sensible und magische Weise inszeniert. Und mit Australien hat sich die Regisseurin - sie hat sich mit ihrem Debütfilm «Seit Otar fort ist» einen Namen gemacht - eine herrliche Kulisse für einige wunderschöne Wildlife-Szenen ausgesucht.

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erstellt am 02.Okt.2013 | 00:07 Uhr

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