Mit Nora Tschirner und Christian Ulmen : „Tatort“: Weimars Hinterwäldler machen mobil

<p>Literarisch aufgeladen und trotzdem komödiantisch: Nora Tschirner und Christian Ulmen mischen sich unter lauter Verrückte und gehen dabei beinahe drauf.</p>
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Literarisch aufgeladen und trotzdem komödiantisch: Nora Tschirner und Christian Ulmen mischen sich unter lauter Verrückte und gehen dabei beinahe drauf.

Eine Farce! Lachgewaltig! Eine göttliche Dramödie! Frank Kober hat den Tatort bereits gesehen und wird es heute wohl wieder tun.

shz.de von
05. Februar 2017, 19:52 Uhr

Um Deppen und derbe Kalauer vom Lande war der Weimarer „Tatort“ noch nie verlegen. Was Wunder, wenn Christian Ulmen und Nora Tschirner als Kommissare Lessing und Dorn die Provinz aufmischen. Noch dazu als Liebespaar. Diesen Spaßraketen eine adäquate Story und eine skurrile Komparserie anheim zu stellen, war bislang das Erfolgsrezept dieser Reihe. Und ist es heute erneut.

Dazu wird diesmal von Murmel Clausen und Andreas Pflüger (Buch) Schutzpolizist Ludwig Maria Pohl, genannt ,„Lupo“ (Arndt Schwering-Sohnrey), in den Fokus der Handlung gestellt. Ein stiller Kauz, der bereits einige komische Auftritte hatte. Dass das, was ihm heute widerfährt, ebenso kauzig ist, versteht sich da von selbst.

Oder was soll man davon halten, dass er noch immer seiner Kindergärtnerin hörig ist (Carmen-Maja Antoni)? Dass er mal eben für sechs Millionen Euro ein Schloss kauft? Dass er plötzlich zwei Schwestern hat (Laura Tonke, Katharina Heyer), die in eben jenem Schloss eine berühmte Porzellanmanufaktur betreiben und sich nun mit ihm um das Erbe fetzen? Und dass schließlich zuerst ein Bombenanschlag auf ihn verübt und kurz darauf eine Rizin-Vergiftung bei ihm festgestellt wird, sodass er nur noch zwei Tage leben soll?

Alles sehr skurril! Und eben deshalb ein feines Fresschen für Regisseur Sebastian Marka, daraus einen krach- und lachgewaltigen „Tatort“ zu zimmern. Eine Farce, deren jähe Wendungen sogar Lessing und Dorn verschlingen und die für sie beinahe tödlich endet.

Doch was so leicht und pausbäckig aussieht, so hinterwäldlerisch wie ausgebufft, ist das Ergebnis einer beinharten Dramaturgie. Denn Marka gibt seine Helden keineswegs nur der Lächerlichkeit preis, sondern führt sie – so, wie das jedem von uns passieren kann – nur in außergewöhnliche Situationen.

Oh ja, er liebt seine Figuren. Mit all ihren Stärken und Macken. Deshalb lässt er sie auch konsequenterweise allesamt scheitern. Wenn auch mit einem Augenzwinkern. Man muss es sehen. Eine göttliche Dramödie!

„Tatort – Der scheidende Schupo“, 20.15 Uhr, ARD.

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