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Die Kritik zum ARD-Krimi : „Tatort“: Vertrauen hin, Mord her

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Aus der Onlineredaktion

Neurotische Figuren üben ein tödliches Spiel um Loyalität, Vertrauen und Gerechtigkeit: Frank Kober hat sein Urteil zum Frankfurter „Tatort“ gefällt. Es ist positiv.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2015 | 11:09 Uhr

Frankfurt | Skurril, selbstironisch und – brutal. So präsentierte sich im Mai der neue Frankfurter „Tatort“ mit dem Chaos-Team Anna Janneke und Paul Brix (Margarita Broich, Wolfram Koch). Aber wer glaubt, dass das womöglich nur ein Auftakt-Feuerwerk war, wird spätestens heute jauchzen: Das Seelengemetzel geht munter so weiter.

Nicht nur, weil mit Janneke und Brix jetzt zwei der faszinierendsten Ermittler im deutschen Krimi unterwegs sind, sondern weil der Frankfurter „Tatort“ ganz unverfroren die größten Genre-Klischees putzt und trotzdem ein grandioser Krimi daraus wird. Sogar, wenn dubiose Polizei-Kollegen, korrupte Politiker und die Russenmafia auf einmal antreten.

Wie heute Abend, als bei Brix im Präsidium Simon Finger auftaucht, sein Ex-Partner von der Sitte (Dominique Horwitz). Es gehe um sein Leben, Paul müsse ihn schützen, das sei er ihm schuldig. Doch Brix lehnt ab, so dass selbst Kollegin Janneke ins Grübeln kommt, mit wem sie es eigentlich zu tun hat.

Wenig später ist Finger tot. Genauso wie ein Politiker, der sich angeblich erhängt hat, und kurz darauf ein Anwalt, der aus seinem Bürofenster stürzt. Die Spuren führen sowohl ins Rotlichtmilieu und zur Russenmafia, als auch in die verfilzte Frankfurter Baupolitik und zu Pauls Chef seinerzeit bei der Sitte – Wolfgang Preiss (Justus von Dohnány). Ein tödliches Spiel um Loyalität und Vertrauen beginnt.

Dominique Horwitz ist heute die Leiche.
Dominique Horwitz ist heute die Leiche. Foto: dpa

Viel Brennstoff für einen „Tatort“, der deshalb wie eine Rakete abgehen aber genauso gut wegen Überfrachtung abstürzen kann. Doch Erol Yesilkaya (Buch) hat die Zügel seiner komplexen Handlung fest im Griff, sodass sich Regisseur Sebastian Marka genüsslich auf die allesamt etwas neurotischen Figuren sowie auf die großen und kleinen Spektakel der Mordermittlungen konzentrieren kann.

Da beide einen prima Job machen, erleben wir einen prima Krimi. Mehr noch: Eine Liebeserklärung an zwei schräge Vögel, die nur versuchen, mit sich und der Gerechtigkeit ins Reine zu kommen. Wir dürfen weiter gespannt bleiben.

„Tatort – Hinter dem Spiegel“, 20.15 Uhr, ARD

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