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ARD-Krimi aus Stuttgart : „Tatort: Stau“ – Volksseele im Ausnahmezustand

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Ein Mädchen wird angefahren und stirbt. Die Kommissare Lannert und Bootz suchen den Täter im Feierabendverkehr.

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erstellt am 10.Sep.2017 | 14:34 Uhr

Da macht Stuttgart noch im Juli Schlagzeilen mit dem ersten Diesel-Fahrverbot in einer deutschen Großstadt – und schon verpasst uns der SWR am Sonntag (20.15 Uhr, ARD) den dazugehörigen „Tatort“. Denn wenn es in der Schwaben-Hochburg etwas gibt, das den Bahnhofsknatsch um „S21“ noch toppen kann, dann sind es die Staus, die täglich Tausende in den Wahnsinn treiben. Hier, in den Diesel- und Benzinwolken, eine Mordgeschichte anzusiedeln, ist „Heimat-Krimi“ der perfiden Art.

Feierabendzeit in Stuttgart. In einer Wohnsiedlung am Rande der Stadt müssen die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) antreten, weil ein junges Mädchen von einem Wagen umgenietet wurde und der Fahrer geflüchtet ist, ohne sich um die Sterbende zu kümmern. Doch weit ist er wohl nicht gekommen. Denn auf dem Weg in die Innenstadt staut es sich mächtig. Blechkiste an Blechkiste, fluchende Bürger, blanke Nerven. Wie sollen hier die Kommissare den Mörder finden? Noch dazu, bevor sich der Stau wieder auflöst?

Daniel Bickermann (Buch) und Dietrich Brüggemann (Buch, Regie) schubsen uns Zuschauer in eine nervenaufreibende und chaotische Situation, wie wir sie alle schon einmal erlebt haben. Dabei drücken sie nicht nur aufs Tempo und treiben die Spannung kontinuierlich in die Höhe, sondern entwerfen dazu ein sehr präzises Sittengemälde der deutschen Volksseele. Hinz und Kunz im Ausnahmezustand – das bekommen wir nicht alle Tage zu sehen. Klasse!

Die höchst spielfreudige Komparserie (unter anderem Julia Heinemann, Roland Bonjour, Rüdiger Vogler, Susanne Wuest und Jacob Matschenz) lässt es sich dabei nicht nehmen, den Stau-Irrsinn in auffällige Charaktere zu pressen. Mal laut, mal leise und meist am Rande des Nervenzusammenbruchs. Da haben selbst Richy Müller und Felix Klare leichtes Spiel, ihren oft so laschen Figuren mal wieder Kontur zu verleihen. Als coole Beamte gegen den revoltierenden Mob. Ein faszinierender und scharfsinniger „Tatort“. 

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