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ARD-Krimi : „Tatort“: Mörderisches Jubiläum in München

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Der Tatort „Mia san jetz da wo’s weh tut“ feiert das 25. Dienstjubiläum von Batic und Leitmayr. Diesmal wird im Rotlichtmilieu ermittelt.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2016 | 10:57 Uhr

Verdammt! Da fabriziert Max Färberböck (Buch, Regie) zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) als ARD-Krimi einen unfassbar starken „Tatort“, und dann nennt sich das Ding „Mia san jetz da wo’s weh tut“. Als wenn unsere Silberlinge nicht oft genug genau da hingelangt hätten, wo es schmerzt im sozialen Getriebe. Und als wenn wir Nicht-Bayern solch plattes Kauderwelsch nicht lächerlich finden würden. Das hat dieses Krimi-Kunstwerk einfach nicht verdient.

Schon, weil die Dramaturgie des Falls uns so in Atem hält wie selten. Weil Nemec und Wachtveitl einmal mehr über sich hinauswachsen und ihre grau melierte Saturiertheit mit einer rasanten Seelenperformance abschmettern. Es wird geschnauzt, es wird gekloppt und es wird geballert. Beinahe zehn Tote fordert dieser Ritt am Ende. Wie das geht?

Natürlich, wir sind im Rotlichtmilieu. Da wird gern gekillt, wenn einer nicht spurt oder nicht zahlt. Oder wenn ein Mädchen sich gegen gewalttätige Übergriffe wehrt. Erst recht eines wie Amelia aus Bukarest. Ihr Tod ist da fast Polizei-Routine, der Mörder schnell gefasst und – geständig. Fall erledigt.

Fall erledigt? Ivo ahnt, dass das zu schnell ging, dass irgendwas nicht stimmt. Und nach einem Besuch bei Bordellbetreiber Harry Schneider (Robert Palfrader), einem alten Spezi aus Kindheitstagen, steht für ihn fest: Der Fall muss neu aufgerollt werden. Amelias Tod hat viel tragischere Hintergründe. Stimmt! Und deshalb dreht plötzlich die ganze Unterwelt durch …

Klug gebaut, auf Eskalation getrimmt und hervorragend bis in die Nebenrollen besetzt (unter anderem Stefan Betz, Mercedes Müller und der halbe „Fack-ju-Göthe 2“-Cast mit Max von der Groeben und Vincent zur Linden), entwickelt dieser „Tatort“ eine „Eigendynamik“, die unsere Silberlocken oft genug alt aussehen lässt (Buch: Catharina Schuchmann). Aber die Kurve kriegen sie am Ende doch. Und ein hammerhartes, zu Herzen gehendes Finale. Was für ein denk-würdiges Jubiläum in München!

„Tatort – Mia san jetz da wo’s weh tut“, 20.15 Uhr, ARD.

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