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„Spielverderber“ : „Tatort“ mit Maria Furtwängler: Mehr als nur ein Schweiger-„Ersatz“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die ARD änderte ihr Programm wegen der Paris-Anschläge. Warum sich das Einschalten lohnte, erklärt Frank Kober.

„Aus Respekt vor den Opfern von Paris“ startete der NDR Sonntagabend nicht seine „Tatort“-Doppelfolge mit Hamburgs Super-Bullen Nick Tschiller (Til Schweiger). Begründung: Weil es darin „auch um einen terroristischen Angriff geht."

Ach so? Soweit wir wissen und wie (demnächst) zu sehen sein wird, geht es in Hamburg doch „nur“ um den Krieg zwischen Tschiller und Clan-Boss Aslan samt Russenmafia. Klar, da knallt‘s und ballert‘s, bis die Schwarte kracht. So tickt nun mal der Schweiger-„Tatort“. Aber was hat das mit Paris zu tun? Ist die Verschiebung etwa nur PR?

Wie auch immer, als Ersatz muss heute Charlotte Lindholm ran (Maria Furtwängler). In einem „Tatort“, in dem – tatsächlich – keine einzige Kugel fliegt und keine einzige Bombe hochgeht. Denn Lore Körner (Nora Huetz), Ex-Frau eines Bundeswehr-Piloten, wurde einfach totgeschlagen.

Schön, die Dame war nach der Trennung von ihrem Mann Jan (Gerdy Zint) alles andere als prüde. Sie trieb es mit dessen Kameraden ebenso wie mit den Ehemännern der Soldatinnen vom Fliegerhorst (unter anderem Jasmin Gerat). Kein Wunder, dass Jan, ein eher cholerischer denn feinfühliger Zeitgenosse, sie öfter verprügelte und jetzt unter Mordverdacht steht.

Aber gemach! Hartmut Schoen (Regie) vollführt mit Charlotte (und mit uns Zuschauern) erst noch ein paar Arabesken, kredenzt weitere Verdächtige und dunkle Beziehungskisten, bevor er die Bluttat auflöst. Und, ach, da es in diesem Eifersuchtsdrama um viel Gefühl geht, kommt sogar unsere LKA-Blondlocke um einen Hormonrausch nicht herum.

So ist dieser durchaus ansehnliche Krimi mit seinen emotionalen Verwerfungen, mit seinem opulenten Luftwaffen-Look und mit einem, in seiner Rage erneut grandios spielenden Gerdy Zint („Kriegerin“) mehr als nur Schweiger-„Ersatz“. Und das, obwohl sich Bild-Herausgeber Kai Dieckmann für diesen „Tatort“ nicht entblödete, als Statisten-Leiche nackt und „ausgeweidet“ in der Pathologie rumzuliegen.

Nicht umsonst, freilich. Denn wo platzierte Bild die Meldung „ARD verschiebt Schweiger-,Tatort‘!“ am Dienstag? Als Aufmacher auf Seite 1! Der NDR und seine PR, eben.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 07:04 Uhr

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