Aus Hannover : „Tatort“: Maria Furtwängler ermittelt im Schweinestall

Ein mächtiger Fleisch-Fabrikant - gespielt von Heino Ferch - entkommt einem Mordanschlag. Wollten ihn Tierschützer töten?

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07. Dezember 2014, 14:11 Uhr

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass Blondlocke Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit „Wegwerfmädchen“ und „Das goldene Band“, jenem furiosen Doppel-„Tatort“ zum Thema Mädchenhandel, begeisterte. Kein Wunder, so lange war der NDR nämlich auf der Suche nach einer Story und einem Regisseur, um irgendwie an diesen Erfolg anzuknüpfen. Und siehe: Die Suche und das Warten haben sich gelohnt.

Denn was heute Abend Alexander Adolph (Buch und Regie) mit seinem „Tatort“ und seiner Hauptdarstellerin vollführt, ist Krimi-Kunst vom Allerfeinsten. Charlotte verschlägt es einmal mehr in die niedersächsische Provinz, als auf Jan-Peter Landmann (Heino Ferch) ein Mordanschlag verübt wird. Doch der mächtigste Fleisch-Fabrikant der Region kommt mit dem Leben davon, da die tödliche Kugel nicht ihn, sondern seinen Fahrer (Steven Merting) trifft. Eine Verwechslung?

Wer weiß. Viel wichtiger ist zunächst, wer Landmann töten wollte. Tierschützer, Konkurrenten, Umweltaktivisten bedrohen ihn jedenfalls schon jahrelang. Weshalb der charmante „Wurst-König“ gern abwiegelt und vor Charlotte den Furchtlosen gibt. Ja, mehr noch. Bald knistert es zwischen den beiden im Glanz von Wein und Kerzen.

Doch gemeinsam mit der etwas unbeholfenen Kommissarin Bär (superb: Bibiana Beglau) kommt Charlotte dem Familien-Imperium und den wahren Motiven des Anschlags auf die Spur. Und plötzlich geht es nicht mehr um ihre Gefühle, sondern um ihr nacktes Leben. Irre, wie Adolph das Geschäft mit billigem Schlachtfleisch inszeniert. Statt Bolzenschuss und Tierkadaver erleben wir Landhausidylle und Familienglück pur. So nistet sich der Horror fast unbemerkt in uns ein, erkennen wir viel zu spät, wozu Jan-Peter Landmann fähig ist, wenn seine Macht und seine „Goldknacker“ auf dem Spiel stehen.

Furtwängler und Ferch sei Dank. Sie spielen unter Adolphs Regie so intensiv wie selten. Hoffen wir nur, dass es nicht wieder zwei Jahre dauert, bis sich unsere Blondlocke erneut offenbaren darf.

„Tatort – Der sanfte Tod“, 20.15 Uhr, ARD

Wer ermittelt wann und wo? Wann Ihre Lieblingsermittler im Einsatz sind, erfahren Sie unter www.shz.de/tatort

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