ARD-Sonntagskrimi aus Dortmund : „Tatort“: Liebe und Glück im freien Fall

Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel, r), die ihren ersten Fallschirmsprung wagt, sitzt mit Jules Lanke (Albrecht Schuch, l), einem Freund des Opfers, im Flugzeug.
Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel, r), die ihren ersten Fallschirmsprung wagt, sitzt mit Jules Lanke (Albrecht Schuch, l), einem Freund des Opfers, im Flugzeug.

Nach der Maloche hält der Übermut Einzug ins Revier: Ein Mann springt von einem rostigen Eisenturm, doch sein Fallschirm öffnet nicht. Zwischen rasanten Bildern wird die spannende Suche nach dem Sinn des Lebens erzählt.

shz.de von
03. Mai 2015, 10:52 Uhr

Bevor in Dortmund das frühere Hochofen-Gelände „Phoenix-West“ so richtig als Technologiestandort aufblüht, wird hier erstmal ordentlich gestorben. Zumindest im Film. Denn solange diese gigantische Stahlkulisse noch vor sich hinrostet, drapiert der WDR hier prima seine „Tatort“-Leichen.

Wie schon im Januar („Tatort – Hydra“), als ein Neonazi im Schlackeschlamm verröchelte, kommt auch heute Abend ein Dortmunder Bürger dort gewaltsam zu Tode. Das heißt, nicht ganz. Leo Janek, ein durchgeknallter Base-Jumper, hatte sich von einem der Eisentürme gestürzt, aber da sich sein Fallschirm nicht richtig öffnete, krachte er fast ungebremst in den Dreck.

Doch irgendwer sammelte ihn auf und warf ihn vor der Notaufnahme eines Krankenhauses ab, wo er seitdem im Koma liegt und nicht nur den Kommissaren Kopfschmerzen bereitet (Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel, Stefan Konarkse). Auch Leos Familie und seine Kumpels (unter anderem Inez Bjørg David, Albrecht Schuch, Constantin von Jascheroff) stehen vor einem Rätsel. Denn obwohl es zwischen ihnen an allen Ecken knirschte, war wohl keiner zu einem Mord fähig. Aber wer sonst hatte Leos Fallschirm manipuliert?

Züli Aladag (Regie) stürzt die Zuschauer mit rasanten Bildern in die fragile Welt junger Grenzgänger, die ihren Adrenalin-Kick weder im Leben noch in der Liebe, sondern offenbar nur kopfüber im freien Fall finden können. Und Aladag zeigt, dass sie damit den Kommissaren ganz ähnlich sind. Auch sie befinden sich im freien Fall ihrer Beziehungen, rackern und beißen sich durch ihren Kripo-Alltag, da sie sich ihrer Gefühle untereinander nicht sicher sind.

Heraus kommt eine spannende Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Vertrauen und ein bisschen Glück (Buch: Ben Bräunlich). Eine pulsierende, ungewisse Suche. Mitten in „Doatmund“, zwischen Stahl und Rost und verrottetem Koks. Da, wo nur ein zartes Grün Hoffnung gibt.

Na, immerhin und uns zur Freude! Schauen wir einfach, wie diese „Tatort“-Truppe weiter wächst.

„Tatort – Schwerelos“, 20.15 Uhr, ARD

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen