TV-Kritik : „Tatort“: Jungspunde auf Mörderjagd

Die neue Tatort-Mannschaft aus Erfurt: Die Schauspieler Benjamin Kramme (links) und Friedrich Mücke (rechts) mit dem Produzenten Michael Smeaton.
Die neue Tatort-Mannschaft aus Erfurt: Die Schauspieler Benjamin Kramme (links) und Friedrich Mücke (rechts) mit dem Produzenten Michael Smeaton.

Neue Crew: Grätschen, Passen, Tore schießen kann die Nachwuchstruppe schon prima. Also kommt es künftig auf den Trainer (die Regie) an, ihr noch Stil und Charakter zu verpassen. Damit Erfurt auch wirklich in der 1. Liga mitspielen kann.

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03. November 2013, 19:45 Uhr

Was ist das: Es sieht aus wie „Heiter bis tödlich“, es klingt wie „Verbotene Liebe“ und trotzdem ist es keine Vorabendserie? Richtig, das ist der neue „Tatort“ aus Erfurt. Der Krimi gewordene Gegenschlag des MDR auf die Quotenbrecher des Vorabendprogramms. Denn jetzt, da der MDR gerade in Magdeburg eine neue „Tatort“-Crew auf Quoten-Jagd geschickt hat, jetzt soll es auch in Erfurt scheppern. Und zwar mit dem jüngsten Kripo-Team ever.

Soll heißen: Nun geht es auch im „Tatort“ „echt krass“ und „voll brutal“ zu, „Alter“. Erst recht, weil ein Frauenmörder umgeht und die Jung-Ermittler Funck, Mücke und Grewel ihre Feuertaufe als Team zu bestehen haben (Maik Schaffert, Benjamin Kramme, Alina Levshin). Wenn auch unter der Fuchtel einer Kripo-Chefin (Kirsten Block), die immer dann dazwischen funkt, wenn die Truppe aus dem Ruder der Dienstvorschrift zu laufen droht. Das tut sie ständig. Denn mit dröger Ermittlungsarbeit ist ihr erster Fall nicht zu knacken. Ob im Studenten- oder Rotlicht-Milieu, ob im Testosteronrausch oder bei halsbrecherischen Verfolgungsjagden – gut, dass unsere Neu-Kommissare ebenso fit wie unbekümmert sind. Das macht sie schon mal sympathisch. Um das Grüne hinter ihren Ohren aber wollte sich Autor-Regisseur Thomas Bohn offenbar noch nicht kümmern. Er setzt uns die drei Helden pur und zunächst fast ohne Biografie vor. Motto: Nur nicht alles Pulver auf einmal verschießen.

Gut so, das verschafft diesem „Tatort“ Authentizität. Schade nur, dass dadurch die jungen Cops so altklug wirken. Als wären sie schon mit allen Wassern gewaschen. Dabei würde man das doch nur Alina Levshin zutrauen („Kriegerin“, „Alaska Johannson“). Komisch, dass ausgerechnet sie das Küken spielen und doofe Fragen stellen muss.

Sei's drum, schauen wir, was draus wird. Grätschen, Passen, Tore schießen kann die Nachwuchstruppe schon prima. Also kommt es künftig auf den Trainer (die Regie) an, ihr noch Stil und Charakter zu verpassen. Damit Erfurt auch wirklich in der 1. Liga mitspielen kann.

Tatort: „Kalter Engel“, heute, 20.15 Uhr, ARD

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