Vorschau Sonntagskrimi : Tatort „Bausünden“: Kölner Dreamteam stolpert unsanft

 Die Architekten Terstegen (Moritz Heidelbach, hinten) und Kastner (Moritz Vierboom) arbeiten in einer Szene des 'Tatort: Bausünden' an einem Bauprojekt in Katar.

Die Architekten Terstegen (Moritz Heidelbach, hinten) und Kastner (Moritz Vierboom) arbeiten in einer Szene des "Tatort: Bausünden" an einem Bauprojekt in Katar.

Am Sonntagabend dürfen die Kölner Tatort-Ermittler Ballauf und Schenk nach zehnmonatiger Pause mal wieder ran.

shz.de von
21. Januar 2018, 09:43 Uhr

Wenn einer die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) quasi im Blindflug durch einen „Tatort“ steuern kann, dann Regisseur Kaspar Heidelbach. Hat er doch das Team 1997 mit aus der Taufe gehoben („Willkommen in Köln“) und es seither immer wieder zu Höchstleistungen getrimmt. Erst recht, wenn er ihm einen ebenbürtigen Widerpart gegenüberstellen konnte.

Wie Sonntagabend, wenn Ballauf und Schenk den Mörder der Hotelangestellten Marion Faust jagen, die unschön von ihrem heimischen Balkon in den Tod gestoßen wurde. Und Tatverdächtiger Nr. 1 ist der Ex-Afghanistankämpfer Lars Baumann (Hanno Koffler). Er und seine Frau Susanne (Jana Pallaske) arbeiten für ein namhaftes Architekturbüro, das seine Kunden gern in dem Hotel absteigen lässt, in dem Marion Faust arbeitete. Nur, dass auch Susanne seit der Mord-Nacht unauffindbar ist. War das hier ein Liebesdrama? Hatte der noch immer unter einer traumatischen Belastungsstörung leidende Baumann aus Eifersucht durchgedreht? Oder steckte eine obskure Bestechungsaffäre dahinter, wie es in der Branche üblich scheint?

Es hätte ein Duell auf Augenhöhe werden können – Ballauf und Schenk gegen den vermeintlichen Amokläufer Baumann. Behrendt und Bär gegen Koffler, der einen zartbesaiteten Brutalo gibt, der in die Enge getrieben wird.

Doch was wir zu sehen bekommen, ist die blinde Suche eines Verzweifelten nach seiner Frau. Denn er rennt und rennt durch diesen Film, ohne dass wir ihm näher kommen (Buch: Uwe Erichsen, Wolfgang Wysocki). Und nebenher entblättert sich eine Baufilzgeschichte, die wie ein Alibi in diesem Psychokrimi wirkt.

Von wegen Blindflug für Regisseur Kaspar Heidelbach. Sicher, die Story ist blitzsauber bis zum Ende durcherzählt. Aber sie berührt kaum! Weil die durchaus reizvollen Figuren allesamt irgendwie blass bleiben (unter anderem Julian Weigend, Max Hopp). Hat sich das Kölner Dreamteam ausnahmsweise mal übernommen? Schade, dieser „Tatort“ ist so blutleer wie sein Titel.

„Tatort – Bausünden“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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