„Die robuste Roswita“ : „Tatort“ aus Weimar: Fluch und Segen eines Thüringer Kloßes

Die Kommissare Lessing und Dorn (Christian Ulmen, Nora Tschirner).

Die Kommissare Lessing und Dorn (Christian Ulmen, Nora Tschirner).

Ermitteln in einer Kloßmanufaktur: Die Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

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26. August 2018, 12:00 Uhr

Wie eigen (und originell) der „Tatort“ aus Weimar sein will, erkennen wir ja schon an den Titeln: „Der irre Iwan“, „Der wüste Gobi“, „Der kalte Fritte“. Am heutigen Sonntag ist „Die robuste Roswita“ dran. Und da wir die Bratwurst bereits durch haben („Die fette Hoppe“), kann es ja nur noch um eins gehen: Thüringer Klöße!

Einmal mehr haben dazu Murmel Clausen und Andreas Pflüger das Mordmenü angerichtet (Drehbuch). Diesmal darf es uns Regisseur Richard Huber servieren. Auf echt Thüringer Porzellan, versteht sich.

Christoph Hassenzahl, Chef einer traditionsreichen Kloßmanufaktur, endet auf brutale Weise – als Kartoffelgranulat aus einer Püreemaschine seiner eigenen Firma. Was natürlich die Kommissare Lessing und Dorn auf den Plan ruft (Christian Ulmen, Nora Tschirner). Und Frau Dr. Seelenbinder (Ute Wieckhorst) mit dem Leichenbefund: „Die Identifikation durch Angehörige fällt schon mal flach“.

Just mit dem Tod von Hassenzahl taucht dessen Frau Roswita wieder auf (Milena Dreissig), nach der nicht nur eine robuste Kartoffelsorte benannt wurde, sondern die man eigentlich seit sieben Jahren tot glaubte. War ihre Wiederkehr zum jetzigen Zeitpunkt Zufall? Ging es beim Mord um Rache oder doch nur um schnödes Geld?

Egal! Wir haben so oder so unseren Spaß an der Mördersuche. Mit jeder Menge zwielichtiger Gestalten (Nicki von Tempelhoff, Christina Große, Anne Schäfer, Jörn Hentschel), etlichen Rempeleien und bösen Giften in Wein und Klößen.

Auch wenn die Geschichte künstelt, dass sich die Balken biegen, so lernen wir doch eine Menge über das Schlachtfeld Landwirtschaft. Über Gewinner und Verlierer, über Täter und Opfer und über scheinbar einfach gestrickte Leute, die es faustdick hinter den Ohren haben.

Regisseur Huber adaptiert diese Menschen in lebensechte Figuren. Und das Ensemble dankt es mit beherztem Spiel. Kein weltbewegender „Tatort“, am Ende. Aber einer mit Witz und Hintersinn, der ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken verführt. Charmant!

  • „Tatort – Die robuste Roswita“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
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