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Rachemord und Selbstjustiz : „Tatort“ aus Stuttgart: Eine Frage des Gewissens

vom
Aus der Onlineredaktion

Stuttgart liefert eine heftige Story mit Zeug zum Nervenfetzer. Leider ist der Regie das offenbar nicht aufgefallen.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2015 | 11:03 Uhr

Stuttgart | Drei Tage lang quälte und vergewaltigte Jörg Albrecht (David Bredin) die kleine Mareike, filmte seine Perversionen sogar, um sie im Internet zu verhökern, nur, um am Ende das Mädchen brutal zu ermorden. Gut, dass so ein Schwein hinter Gitter gelandet ist. Aber nicht gut genug – für die Eltern, Frank und Simone Mendt (Robert Hunger-Bühler, Michaela Caspar), die auch 15 Jahre danach keinen Frieden finden. Denn jetzt, als Albrecht nach Verbüßung seiner Strafe aus dem Knast kommt, jetzt schnappen sie sich den Kerl, töten ihn und entsorgen ihn da, wo er ihrer Meinung nach hingehört – in eine Mülltonne.

Die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) kommen den beiden schnell auf die Spur. Und spricht auch alles gegen die Wendts, so bleibt eine Frage offen: Hat ihnen Albrecht vor seinem Tod den Namen seines Mittäters verraten? Denn sicher ist mittlerweile, dass er bei seinen Grausamkeiten damals nicht allein war. Ebenso sicher ist, dass die Wendts auch diesen zweiten Mann töten werden.

Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Sogar die Entführung von Bootz‘ kleiner Tochter Maja, sodass der Kommissar bald vor der Gewissensfrage steht: Soll er den Mittäter den Wendts im Tausch gegen seine Tochter ans Messer liefern?

Was für eine kolossale Story (Buch: Holger Karsten Schmidt). Ein Psychodrama voller Widerhaken, das jede Ermittlungsroutine und jedes Verständnis von Gut und Böse ad absurdum führt. Ein Nervenfetzer, sollte man meinen.

Doch Regisseur Roland Suso Richter verpasst die Chance, unser Adrenalin zum Schäumen zu bringen und zelebriert stattdessen einen Krimi von der Stange. Bemühte Frage-Antwort-Spielchen, einen aufgescheuchten Hühnerhaufen im Präsidium und einen Jammerlappen von Bootz, dem wir seine Verzweiflung kaum abkaufen können.

Einzig Hunger-Bühler findet jene Grandezza, die dem gebrochenen Vater und stoischen Rächer wirklich angemessen ist. Der Rest ist – Alarm im Polizei-Zirkus. Verdammt! Verdammt schade um diesen „Tatort“!

„Tatort – Preis des Lebens“, 20.15 Uhr, ARD

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