Vorschau auf „Gott ist auch nur ein Mensch“ : „Tatort“ aus Münster: Von Mördern, Künstlern und Clowns

Jan Josef Liefers (links) und Axel Prahl in Münster bei Dreharbeiten zum „Tatort - Gott ist auch nur ein Mensch“.
Jan Josef Liefers (l) und Axel Prahl in Münster bei Dreharbeiten zum "Tatort - Gott ist auch nur ein Mensch".

Der „Tatort“ mit den Spaßkommissaren ist zwar meist lustig, der Mordgeschichte werden sie diesmal kaum noch gerecht.

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19. November 2017, 13:35 Uhr

Münster | Damit unsere Spaßkommissare Thiel und Boerne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers) bei ihren Mordfällen auch ordentlich rumblödeln können, wird gern die Realität verbogen. Ein Stilmittel, das so lange funktioniert, bis die Blödelei die Oberhand gewinnt und reiner Selbstzweck ist. Die Kunst liegt darin, die Balance zu finden zwischen der Tragik eines Mordes und der Komik der Protagonisten. Und oft genug hat die Münsteraner Truppe bewiesen, dass sie diese Gratwanderung perfekt beherrscht. Aber nicht dieses Mal!

Denn das Mordopfer steckt in einer Clownsfigur, die der Aktionskünstler Zoltan Rajinovic (Aleksandar Jovanovic) für die bevorstehenden „Internationalen Skulptur-Tage“ vor dem Rathaus aufgepflanzt hat. Pikant daran: Der Tote war Stadtrat und wurde erst kürzlich vom Vorwurf der Unzucht mit Minderjährigen freigesprochen. Hatte sich hier jemand gerächt und das Kunstwerk missbraucht oder hatte Rajinovic, dessen Künstlername „G.O.D.“ lautet, selbst ein bisschen Gott gespielt? Echte Kunst – echtes Blut?

Müßig, überhaupt danach zu fragen. Denn erstens kommt am Ende wieder alles anders als gedacht. Und zweitens macht sich dieser „Tatort“ über die Kunstszene her wie einst Micha Kessler über Florian Silbereisen. Jeder Künstler eine Karikatur, jede Skulptur eine Farce. Sind wir jetzt bei „switch reloaded?“

„Spasss musss sssein!“, dachten sich offenbar Christoph Silber, Thorsten Wettke (Buch) und Lars Jessen (Regie). Koste es, was es wolle. Schließlich will das vielgesichtige „Tatort“-Kabarett Münster mit Pointen gefüttert werden.

Und genau hier steht sich das Ensemble mittlerweile selbst im Weg. Längst sind hier sämtliche Figuren – ob Verdächtige, Zeugen oder sonstwie Beteiligte – nur noch Stichwortgeber für den nächsten Gag. Das ist zwar in der Tat meist lustig, aber der Mordgeschichte wird es kaum noch gerecht. Also zurück in die Spur! Und zwar in der Reihenfolge: Sinn, Hintersinn – Unsinn. Nicht umgekehrt.

  • „Tatort – Gott ist auch nur ein Mensch“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD.
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