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Sonntagskrimi : Tatort aus Leipzig: Experiment geglückt, Patient tot

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Der letzte Tator aus Leipzig: Ein vermisstes Mädchen und ein Keppler fast im Alleingang.

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erstellt am 26.Apr.2015 | 16:08 Uhr

Leipzig | Letzte Runde für Saalfeld und Keppler (Simone Thomalla, Martin Wuttke). Der MDR hat endlich Erbarmen mit uns und beendet nach 21 Folgen ein einziges großes Missverständnis. Denn die Idee 2007, als „Tatort“-Nachfolger für Ehrlicher und Kain (Peter Sodann, Bernd-Michael Lade) ausgerechnet eine Diva und einen Theaterberserker ins Rennen zu schicken, hat nie wirklich funktioniert.

Zum einen, weil die Autoren schlicht damit überfordert waren, beiden Schauspieltypen gerecht zu werden. Zum anderen, weil die dramaturgische Klammer floppte. Jene Mär vom Ex-Ehepaar und vom Verlust des gemeinsamen Kindes, die meist in Betroffenheitsgedusel endete. Und schließlich, weil Frau Thomalla nun mal besser in eine Liebesschnulze passt, als in einen Krimi.

Umso konsequenter ist es von Sascha Arango (Buch) und Claudia Garde (Regie), die finale Show heute ganz Herrn Wuttke zu überlassen, der sich – wie im Theater, eben – gleich mal an uns Zuschauer wendet und nach dem Sinn des (Kriminalisten-)Lebens fragt. Warum? Weil die achtjährige Magdalena entführt wurde – von einem Paar, das selbst keine Kinder bekommen kann (herrlich dekadent und diabolisch: Susanne Wolff, Jens Albinus).

Da Kollegin Saalfeld außer Schluchzern und Eifersüchteleien wenig zur Lösung des Falls beiträgt, übernimmt Keppler das Kommando und bringt Klein-Magdalena fast im Alleingang ihren Eltern zurück (herrlich öko und bibeltreu: Alexander Scheer, Picco von Groote). Und neben den üblichen Fetzen zwischen Saalfeld und Keppler, fliegen diesmal noch Fäuste und ein ganzes Haus in die Luft. Wie es sich für den Abgang eines „Tatort“-Teams gehört.

Oh ja, Claudia Gardes Film hat Witz und Esprit, ausreichend kaputte Charaktere und eine so fulminante Kamera-Optik (Carsten Thiele), dass helle Begeisterung aufkommen kann. Selbst beim schwulstigen Happy End, das so hübsch unglaubwürdig ist, wie die ganze Story.

Fazit: Experiment gelungen, Patient tot. Der Leipziger „Tatort“ ist nun aber leider TV-Geschichte.

„Tatort – Niedere Instinkte“, 20.15 Uhr, ARD

Wer ermittelt wann und wo?  Schleswig-Holstein am Sonntag verrät, wann Ihre Lieblingsermittler im Einsatz sind: www.shz.de/tatort

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