„Tiere der Großstadt“ : „Tatort“ aus Berlin: Von Ratten und Menschen

Düsterer Fall: Reno Gröning (Kai Scheve), der Mann der getöteten Carolina, erzählt Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke), dass ihr Baby kurz nach der Geburt starb.

Düsterer Fall: Reno Gröning (Kai Scheve), der Mann der getöteten Carolina, erzählt Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke), dass ihr Baby kurz nach der Geburt starb.

Zwei Rätsel! Zwei Mordfälle? Eine faustdicke Überraschung gibt es bei der Aufklärung der beiden Todesfälle.

shz.de von
16. September 2018, 14:17 Uhr

Dass der Berliner „Tatort“ oft ein bisschen „drüber“ ist, die Metropole also bewusst zwischen Hipster-Zentrale und Party-Ghetto inszeniert wird, leuchtet ein. Der Haupstadt-Affe braucht schließlich seinen Zucker. Und so könnte der Kontrast kaum größer sein, dass sich diesmal eine Leiche in einem automatisierten Coffeeshop mitten in der City findet – da, wo Hightech und Mensch die Zivilisation ausfechten. Eine zweite im beschaulichen Grunewald – da, wo Natur und Mensch die Zivilisation besser vergessen wollen.

Tom Menke, Betreiber des „Robista“, wurde in seinem Coffeshop durch einen Stich in den Nacken getötet. Keine Einbruchsspuren, alle Zugänge dicht, nur der Kaffee-Roboter steht stumm in dem Kabuff herum. Carolina Gröning dagegen wurde beim Joggen im Wald erwischt und verblutete an einer großen Wunde im Oberschenkel. Keine Kampfspuren, keine Zeugen, nur die Bäume stehen stumm um die tote Frau herum. Zwei Rätsel! Zwei Mordfälle?

Beate Langmaack (Buch) und Roland Suso Richter (Regie) schicken die Kommissare Rubin und Karow (Meret Becker, Mark Waschke) getrennt in die Ermittlungen. Als Spurensucher, fast wie Entdecker, die mit den Rätseln von Technik und Natur nur mühsam zurechtkommen.

Doch bald werden aus den Rätseln Ahnungen. Dann Geschichten aus Fleisch und Blut. Von Liebe und Verrat, von Ehekrisen und einer Familientragödie. Denn natürlich sind es die Menschen, die in der Kulisse zwischen Ku’damm und Waldidylle scheitern.

So verwirrt dieser „Tatort“ diesmal weniger mit flotten Sprüchen, sondern mit kryptischen Charakteren (u.a. Valery Tscheplanowa, Kai Scheve, Horst Westphal, Stefanie Stappenbeck). Und mit faustdicken Überraschungen bei der Aufklärung der beiden Todesfälle.

Das treibt uns zwar nicht das Adrenalin ins Blut, doch sehenswert ist dieser schräge Krimi trotzdem. Auch dank der düster-melancholischen Berlin-Bilder und eines mystischen Sounds. Manchmal klappt’s eben mit der Metaphorik – von Tier und Großstadtmensch.

„Tatort – Tiere der Großstadt“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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