zur Navigation springen

ARD-Sonntagskrimi aus Konstanz : „Tatort“: Alter Wein, neuer Mord

vom

Heute Abend müssen die Kommissare Blum, Bezzel und Lüthi den ältesten Mordfall in der Tatort-Geschichte aufklären. Dafür, dass die Geschichte ziemlich verstaubt ist, ist sie gar nicht mal so spannend.

Nanu? Männer in alten Uniformen, Vorderlader, Pulverdampf? Verschlägt es uns diesmal in ein Historienspektakel? Womöglich in eine nachgestellte Szene der badischen Revolution von 1848, in der mal wieder eine echte, statt einer Platzpatrone zum Corpus Delicti für Klara Blum und Kai Perlmann wird (Eva Mattes, Sebastian Bezzel)?

Nicht ganz. Die Szenen sind Rückblenden, der „Tatort“ spielt hier und heute. Denn aus dem Bodensee wird ein junger Kerl gefischt, der erst jüngst erschlagen wurde. Das Besondere daran: In seiner Tasche finden sich Weinflaschen von anno 1832. Rein „zufällig“ ermittelt drüben in der Schweiz Kollege Lüthi (Roland Koch) just in einem großen Betrugsfall, weil deutsche Steuerflüchtlinge neuerdings ihr Schwarzgeld nicht mehr bei den Banken, sondern in Antiquitäten anlegen. Oder eben – in uralte Weine mit Flaschenpreisen von über 100.000 Euro.

Und so verwebt sich die Historie mit der Gegenwart, muss erst das Rätsel des 1832er Hochzeitsweins der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff gelöst werden, um den Mord heute aufzuklären. Was allerlei zwielichtiges Gesindel auf den Plan ruft: Weinexperten, Antikhändler (Felix von Manteuffel, Sibylle Canonica) und einen Unternehmer (Uwe Bohm), der mit der Mutter des Opfers liiert ist. Noch so ein „Zufall“.

Und das Ende vom Lied? Am Ende steht der älteste je aufgeklärte Mord in einem „Tatort“. Immerhin! Nur, leider als Komplett-Langweiler. Versäumen es doch Stefan Dähnert (Buch) und Marc Rensing (Regie) bei aller Geschichtstümelei, auch eine spannende Geschichte zu erzählen. Eine, die sich nicht in den Details der Revolutionskabalen von 1848 verliert, sondern das Thema „Steuerflucht heute“ beherzt anpackt. Mit Figuren aus Fleisch und Blut, mit gewitzten Dialogen und vor allem mit einem Kripo-Personal, das sich vor lauter Gefühlsduselei nicht dauernd selbst im Weg steht.

So wird auch dieser Bodensee-„Tatort“ zum Rohrkrepierer – gut gedacht, schlecht gemacht. Was Wunder, dass Blum & Co. 2016 endlich abgemeldet werden.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Feb.2015 | 11:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen