Miniserie im NDR : Start der zweiten Staffel „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“

In der „Futterluke“ (Buxtehuder Wachtel-Imbiss): Ronny (David Bredin, l.), Oma Margret (Doris Kunstmann, 2.v.l.), Jennifer (Katrin Ingendoh, 2.v.r.) und Melli (Laura Lo Zito, r.).

In der „Futterluke“ (Buxtehuder Wachtel-Imbiss): Ronny (David Bredin, l.), Oma Margret (Doris Kunstmann, 2.v.l.), Jennifer (Katrin Ingendoh, 2.v.r.) und Melli (Laura Lo Zito, r.).

Der NDR zeigt die ersten beiden Folgen am Dienstagabend. Gedreht wurde wieder auch in Buxtehude und Neu Wulmstorf.

shz.de von
01. Januar 2018, 13:56 Uhr

Neu Wulmstorf | Unbeholfen und untalentiert, naiv und beschränkt: so ist Jennifer (Karin Ingendoh). Sie ist eine Träumerin, glaubt an die große Karriere, beispielsweise als Eventmanagerin, oder auch als Youtube-Star. Sie ist laut eigener Aussage „quasi Teilhaberin eines Friseursalons und Maklerin, wenn ich was an der Hand hab“, in Wirklichkeit eigentlich nur eine Friseuraushilfe. Aber darauf kommt es nicht so genau an. Bald, bald ist sie ein Star. Genau wie Ingo (Klaas Heufer-Umlauf). Der hat es wirklich schon geschafft, nennt Dj Bobo nur „Bobo“, hatte als erster Deutscher Whirlpool-Sex im Fernsehen und schon mal einen Hotdog mit Pietro, „da war der noch mit Sarah“. Dass Ingo nun Jennifers neuer Chef im Haarsalon wird, und sie nicht an seiner Seite um die Welt jetten kann, passt Jennifer so gar nicht in den Kram. Dann organisiert sie eben neben der Arbeit erstmal Wäscheparties. Damit wird sie ganz groß, mit Sicherheit. Mit Sicherheit nicht.

Zwischen Schnittchen, Pommes, Frikadellen und Gewürzgurken mit Mayo und Senf geht es überspitzt und überzeichnet zu. Schuld daran sind die Jennifer-Autoren Andreas Altenburg und Harald Wehmeier. Ihr letzter gemeinsamer Coup war die Radio-Comedy „Frühstück bei Stefanie“. Seit 2008 hatte das Spaß-Duo mehr als 1000 preisgekrönte Steffi-Folgen produziert. Fünf Jahre lang lief die Comedy im NDR 2 Morgen. Nach dem Finale vor vier Jahren gab es noch ein Jahr lang pünktlich um 7.17 Uhr die von den Fans lang ersehnten Wiederholungen von „Frühstück bei Stefanie“. Mit Jennifer haben sie nun einen anderen Kanal gefunden.

Apropos Jennifer, im Jennifer-Universum wird sie natürlich nicht phonetisch korrekt Dschennifer gerufen, sondern ganz deutsch, das J mehr wie Jung oder Jugend. „Was willst du denn eigentlich von Leben“, fragt Oma Margret, als wieder mal etwas schief geht. „Was alle wollen“, sagt sie, „Familie, schönes Auto mit Internet drin, überhaupt, schön glücklich sein“. Sie hat es nicht so mit der Sprache. Ihre größte Schwäche: der Dativ. Präpositionen werden grundsätzlich falsch eingesetzt. Doch das fällt gar nicht auf zwischen all dem „von dem her“ und „so, nech“ von ihrer treudackeligen Freundin Melanie (Laura Lo Zito), Noch-Chef Dietmar (Olli Dietrich), Möchtegern-Star Ingo (Klaas Heufer-Umlauf) und Oma Margret (Doris Kunstmann).

Natürlich, alle Figuren rauchen eine Kippe nach der anderen und scheinen wirklich gar keinen Sinn für Mode zu haben. Die Shorts zu kurz, die Tops zu eng und die Hosen zu grell. Und noch eins haben sie gemeinsam: Schaumschläger sind sie alle, alle wissen es besser: besser als die Anderen. Sie sind ja auch wer, kommen „von ein gewisses Level“. Schließlich hat Dietmar mal Anita Kupsch den Nacken anrasiert. Damit hat er in seinem kleinen Dorf die Bewunderer auf seiner Seite. Trotzdem wird Dietmar vertrieben: Bereits in der ersten Folge der neuen Staffel verabschiedet sich der Stilist mit der Goldkette, dem offenen Hemd und der goldenen Brille mit getönten Scheiben.

Jenni (Katrin Ingendoh, l.) und Ingo (Klaas Heufer-Umlauf, r.) im Friseursalon in Neu Wulmstorf.
NDR/Marion von der Mehden
Jenni (Katrin Ingendoh, l.) und Ingo (Klaas Heufer-Umlauf, r.) im Friseursalon in Neu Wulmstorf.
 

Mit Klaas Heufer-Umlauf alias Ingo und seinen blondierten Haaren haben die Macher einen ehrwürdigen Ersatz für Oli Dietrich gefunden. Die Charaktere sind auch in der zweiten Staffel wieder wunderbar komisch inszeniert. Alles ist ein wenig drüber, die Grammatik, der Look, die Vorstellungen. Nur eins ist neu: Der Ort, an dem sie wohnen, hat jetzt einen Namen: Neu Wulmstorf. Dort wurde auch gedreht, aber nicht nur. Der „Wachtel-Imbiss“ an der Apensener Straße in Buxtehude wurde im Sommer für Jennifer in „Futterluke – Margrets Grill-Imbiss“ umbenannt. Und auch die mittlerweile geschlossene Buxtehuder Diskothek „Garage“ war wieder einmal Drehort der NDR-Comedy.

Im „Magic“, da treten noch wirkliche Stars auf, zumindest Ingo, der eigentlich nur für einen Auftritt zurück ins Hamburger Vorstadtparadies kommen wollte. „Guck mal, wie der zieht“, ruft Betreiber Manni Schweers (Ulrich Bähnk). Recht hat er. Allein wegen der befremdlichen Tanzschritte von Klaas Heufer-Umlauf lohnt sich das Einschalten.

  • Das NDR Fernsehen zeigt die zweite Staffel am Dienstag, 2. Januar ab 22.30 Uhr (Folge 1 und 2) und am Donnerstag, 4. Januar, um 22.30 Uhr (Folge 3).
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