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Neo Magazin Royale : Spekulationen um Jan Böhmermann: Bleibt er beim ZDF?

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Während der Sommerpause wird spekuliert: Wie lange wird es die Sendung Neo Magazin Royale noch beim ZDF geben?

Seien wir mal ehrlich: Jan Böhmermann und das ZDF passen nicht wirklich zusammen. Immer wieder lästert der anarchische Satiriker über den Altersdurchschnitt des Sender-Publikums und krebst trotz zunehmenden Erfolges weiterhin im Nischenprogramm ZDF Neo herum. Der Hauptsender zeigt die Sendung „Neo Magazin Royale“ dann irgendwann im Nachtprogramm. Vor allem aber die eierige Reaktion auf die Kritik am vielzitierten Schmähgedicht spricht nicht gerade für eine innige Verbindung. Wir erinnern uns: Die erste Reaktion des Senders war es, die umstrittene Sendung aus der Mediathek zu löschen und zu proklamieren, sie entspreche nicht den Ansprüchen des Senders. Erst später sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut dem Fernsehmoderator Jan Böhmermann in der Beleidigungsaffäre die volle rechtliche Unterstützung des Senders zu.

Seit dem Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist der 35-jährige Satiriker bundesweit bekannt. Das mag Böhmermann vor allem wegen der juristischen Folgen nicht immer recht gewesen sein - seinen Marktwert dürften die spektakulären Ereignisse allerdings gesteigert haben.

Die Quoten der Böhmermann-Sendung haben zuletzt merklich angezogen. Auch im Netz: Die Mediathekennutzung liegt eindeutig im sechsstelligen Bereich. Nach der Rückkehr aus seiner Erdogan-Pause holte er online und am TV-Bildschirm zusammen mehr als eine Million Zuschauer ab. Ein starker Wert, zumal die Mediathek und der Sender ZDFneo normalerweise nicht auf das Massenpublikum ausgerichtet sind.

Derzeit ist Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ in der Sommerpause - danach soll es weitergehen. „Bis nach der Sommerpause!“ verabschiedete sich der Moderator. Doch ob der dem Sender über das Jahr 2016 hinaus die Treue halten will, ist fraglich. Das Magazin „Stern“ berichtet, sein Vertrag mit dem Mainzer Sender laufe Ende des Jahres aus und macht damit Platz für eifrige Spekulationen. Die möglichen Szenarien:

ZDF

 

Die einfache Lösung: Er macht so weiter wie bisher. Doch bleibt Böhmermann auch, wenn sein Format weiterhin in der Nische versumpft? Für TV-Verhältnisse (besonders bei seinem Sender) ist „Böhmi“ mit 35 Jahren noch jung und könnte dem Lockruf des Geldes folgen - und damit vielleicht auch an neuen Konzepten arbeiten, ohne seine kreative Freiheit einzuschränken. Und es mit einem Arbeitgeber zu tun haben, der sich auch bei Schwierigkeiten öffentlich hinter sein Format stellt.

Netflix oder Amazon

 

Streamingdienste rücken dem althergebrachtem Fernsehen immer mehr auf den Pelz. Hier ist Platz für schräge Formate und Kreativität statt quotengeglätteter Massenkost. Die Digital-Anbieter könnten auch im TV eine neue Böhmermann-Heimat sein. Im Hörfunk-Bereich ist der Satiriker ja bereits vom öffentlich-rechtlichen Radio eins zu Spotify gewechselt. Nicht ohne im neuen Format „Fest und Flauschig“ über den starren Apparat der Öffentlich-Rechtlichen zu lästern. Amazon will sich nicht an „Medienspekulationen“ beteiligen, Netflix liegen keine Informationen vor.

Pro Sieben

 

Der Privatsender wäre keine ganz schlechte Option für den Spaßvogel. Hier konnte schon Stefan Raab - der als schräge Ulknudel beim damaligen Musiksender Viva anfing - seine Show-Dynastie aufbauen. Mit „Circus HalliGalli“ hat der Sender ein Format für ein jüngeres Humorpublikum, wie es auch zu Böhmermann passt. Denkbar wäre eine Lösung am späten Montagabend, an dem ProSieben alternierend zum „Circus HalliGalli“ immer wieder neue Varianten ausprobiert. Hier guckt das jüngere, intelligentere Publikum immer noch fern. Die offizielle Haltung des Senders aber ist nach Darstellung eines Sprechers: „Klares Nein für ProSieben“.

ARD

Die ARD hat sich den Kleinkünstler Marc-Uwe Kling ins Boot geholt.
Die ARD hat sich den Kleinkünstler Marc-Uwe Kling ins Boot geholt.
 

Auch das Erste ist nicht völlig humorlos. Der öffentlich-rechtliche Sender sucht insbesondere für den Donnerstagabend immer wieder nach neuen Gesichtern, die dem angestammten Sendeplatz für Humor („Scheibenwischer“) neues Profil verleihen. Kürzlich wurde der „Kleinkünstler“ Marc-Uwe Kling, der mit seinen „Känguru-Chroniken“ bekannt wurde, für das Format „Bühne 36“ gewonnen. Doch ganz so leicht haben es junge Formate nicht. Hinter dem Ersten steckt die ARD, ein Sendergefüge mit vielen Gremien, in denen Böhmermann nicht nur Freunde haben dürfte. Eine Sprecherin der Programmdirektion will solche Fantasien nicht kommentieren.

RTL

 

Der private Riese ist immer wieder für eine Überraschung gut. Mit den Shows „TV Helden“ und „Was wäre wenn?“ hat Böhmermann RTL-Erfahrung. Kürzlich nahm er den Kölner Sender mit seinem „Verafake“ zur RTL-Reihe „Schwiegertochter gesucht“ satirisch aufs Korn. Kein gutes Intro. Und ob das Humorverständnis von RTL, das in erster Linie auf die Masse zielt, mit dem von Böhmermann synchronisierbar ist, ist äußerst fraglich. „Neue Projekte sind mit ihm aktuell nicht geplant“, heißt es von RTL.

Und was sagt Böhmermann selbst zu seiner Zukunft? Über sein Management lässt der virtuose Wortkünstler ausrichten: „Ich bedaure jedoch, ich kann Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nichts dazu sagen.“ Mehr oder weniger sicher ist nur: Am 25. August kehrt Böhmermann auf ZDFneo mit dem „Neo Magazin Royale“ aus der Sommerpause zurück.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 12:00 Uhr

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