Vorschau auf den Sonntagskrimi : Sonntagabend im „Tatort“: Neustart in Frankfurt

Der erste Frankfurt-Krimi mit Margarita Broich und Wofram Koch ist zu gebrauchen, meint Frank Kober.

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17. Mai 2015, 16:22 Uhr

Wechselfieber wie in der 1. Bundesliga. Nachdem zuletzt „110“-Brummkreisel Krause und das Leipziger „Tatort“-Duo Saalfeld und Keppler abgedankt haben, fällt uns ein, dass dieses Jahr ja auch in Frankfurt Kommissar Steier abgängig war (Joachim Król). Und wir erinnern uns weiter, dass davor Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki die „Tatort“-Trauben so verdammt hochgehängt hatten, dass da tatsächlich nur einer wie Król heranreichen konnte. Mit und ohne Nina Kunzendorf. Aber was kommt jetzt? Jetzt kommen Margarita Broich und Wolfram Koch. Nicht unbedingt No-Names in der Glotze, aber auch keine Dauerbrenner. Charakterköpfe von der Theaterbühne haben es nun mal schwer im TV-Biz.

Wie Martin Wuttke, der nun zu Hause mit seiner Frau debattiert, was im Leipziger „Tatort“ alles schief gelaufen ist. Nicht ohne Grund. Wuttkes Frau ist Margarita Broich. Sie muss ab heute die Familienehre retten. Doch wie es aussieht, schert sie sich dabei weder um die Menetekel ihres Mannes, noch um die Konventionen des „Tatorts“. Kurz gesagt – ihre Kommissarin Anna Janneke und deren Neukollege Paul Brix (Koch) mischen das Frankfurter Verbrechergesocks genauso prima auf, wie ihre Vorgänger. Dass dazu zunächst eine ganze Familie sterben muss, dass die letzte Überlebende, Tochter Jule (Charleen Deetz), samt ihrer Nachhilfelehrerin (Emily Cox) gekidnappt wird und dass im Schatten dieser Schrecknisse Kripo-Chef Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) gegen seine Neulinge mächtig motzen muss, weil diese clever die Dienstvorschriften aushebeln – das alles bildet den Nährboden für einen überaus munteren Frankfurter Neustart.

Und je mehr Michael Proehl (Buch) und Florian Schwarz (Regie) ihre Hauptfiguren auf diesem Humus sprießen lassen, sie mit reichlich Macken und derben Bonmots füttern, desto mehr wandelt sich unsere natürliche Skepsis in die Gewissheit, dass Broich und Koch eine Idealbesetzung sind. Ihre Figuren haben Kraft, Witz und jene Fragilität, die für ernsthafte Krimikunst unabdingbar ist. Summa summarum: Ein gelungener Einstand! Frankfurt bleibt 1. „Tatort“-Liga.

„Tatort – Kälter als der Tod“, 20.15 Uhr, ARD.

Wer ermittelt wann und wo? www.shz.de/tatort

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