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Sonntagabend in der ARD : Sonntagabend im „Tatort“: Die Rache der Moral-Apostel

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Lichter gehen aus in Konstanz. Im Abgesang haben Fassbinders Damen noch ein paar Rechnungen zu begleichen. Ein Anti-Western vom Bodensee.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2016 | 10:50 Uhr

Konstanz | Letzter Vorhang für den Bodensee-„Tatort“ mit Eva Blum, Kai Perlmann und Matteo Lüthi (Eva Matthes, Sebastian Bezzel, Roland Koch). Da dürfen wir heute Abend, nach immerhin 14 Jahren Mörderhatz in „Konschtanz“, wohl auf einen besonderen Abschied hoffen, oder?

Der SWR zumindest hat vor und hinter der Kamera schweres Geschütz aufgefahren. Denn bei Grimme-Preisträgerin Aelrun Goette (Buch und Regie) können wir uns getrost auf einen unorthodoxen Schlussakt gefasst machen. Erst recht, wenn sie der Fassbinder-Elevin Mattes drei weitere schräge Vögelchen aus seligen „Katzelmacher“-Zeiten an die Seite stellt: Hanna Schygulla, Irm Herrmann und Margit Carstensen. Das Abschiedsbuffet ist wie auf einem Tablett angerichtet, das in Gestalt eines festlich geschmückten Bootes durch die Nacht gleitet. Darauf liegt, über und über mit Stichwunden versehen, der rechtsextreme Prediger Josef Krist im Sterben. Ein hübsches Mordritual.

Schon wenig später verröchelt ein Anlagebetrüger an einer Giftmischung. Und kurz darauf soll Unternehmer Max Heinrich dran glauben (Matthias Habich), dessen marode Firma in Fernost bei einem Brand Hunderte Menschleben forderte. Wer spielt hier Racheengel?

Schnell führt uns Goette in die okkulte Welt dreier Aussteiger-Omis (Schygulla, Herrmann, Carstensen), die da für Gerechtigkeit sorgen, wo Staat und Gesellschaft versagen. Und so sind es keine Fragen von Recht und Gesetz, die Klara Blum beschäftigen, sondern des Gewissens. Fragen nach dem Sinn ihrer Polizeiarbeit. Gibt sie den neuen Sisyphos?

Ganz geht Goettes Rechnung vom finalen Rundumschlag der Herzen jedoch nicht auf. Dazu nerven die schrulligen Protagonistinnen und die moralischen Stoßgebete wie vom Fließband doch allzu sehr. Dennoch ist diese Parabel vom Seelenfrieden einer Kommissarin sehenswert. Denn die komplett absurde Geschichte bleibt bei allem Firlefanz glaubwürdig.

Wie Blum und Perlmann ihr TV-Leben lang. Ab jetzt dürfen wir sie vermissen!

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