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ARD-Sonntagskrimi : Sonntag im „Tatort“: Die Gebärden des Todes

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Aus der Onlineredaktion

Nach über einem Jahr der Ruhe kehrt Yoga-Kommissar Stellbrink zurück: Zunächst stirbt der Chef einer Gehörlosenschule, dann eine Frau beim Sex mit dem Ex. Das Besondere: Alle Hauptdarsteller sind taub.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2016 | 10:53 Uhr

Saarbrücken | Doch, wir hatten schon unseren Spaß – mit dem Saarbrücker Knuddel-Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) und seiner kauzigen Truppe (Elisabeth Brück, Hartmut Volle, Sandra Steinbach). Nur, dass Fez und Blödelwahn die hübschen Mordgeschichten oft genug übertünchten. Zu sehr hatte Regisseur Hannu Salonen in den ersten drei Folgen dem Team Leine gegeben, so dass aus Spielwitz nicht selten Spielkrampf wurde. Gags auf Abruf.

Zuletzt übernahm Zoltan Spirandelli („Weihnachtsgeld“), und siehe: Schauspielungeheuer Striesow ließ sich ja doch bändigen. Plötzlich wurde aus Kasperle-Theater ernstzunehmende Sozial-Satire. Mit einem Provinz-„Columbo“ an der Spitze und vielen feinen Zwischentönen.

Heute Abend hat Spirandelli erneut die Zügel in der Hand (Buch: Peter Probst), so dass wir neue Faxen kaum befürchten müssen. Zumal wir in ein Milieu geführt werden, wo keiner Spaß versteht. Ja, nicht einmal Ernst. Denn die Protagonisten sind allesamt taub. Da wäre Klamauk nur respektlos.

Der Chef einer Gehörlosenschule ist gestorben. Und während sich in einer Hotelgaststätte alle zum Leichenschmaus zusammenfinden, kommt ein Stockwerk höher eine Frau ums Leben. Beim Sex mit dem Ex! Der junge Ben (Benjamin Piwko), ein gehörloser Gast der Beerdigungsfeier, wird Zeuge, als die Leiche entsorgt werden soll und erpresst den Täter. Doch kurz darauf wird seine schwerhörige Freundin ermordet. Wo ist hier die Verbindung?

Eine etwas krause Mordgeschichte. Doch Regisseur Spirandelli findet zum Glück die richtige Sprache und die richtigen Bilder, um uns in ein Reich der Stille zu versetzen, das trotz aller Hindernisse völlig normal ist. Voller Glück und Liebe, Schmerz und Hass. Oder wie es der selig verstorbene Leiter der Gehörlosenschule beschrieb: „Unsere Schüler sind nicht behindert – sie werden behindert!“

Dieser „Tatort“ zeigt uns, warum. Und was dagegen zu tun ist. Ganz wie Striesow mit den gehörlosen Laiendarstellern: Zuhören, Hinsehen, Mitnehmen.

„Tatort – Totenstille“, 20.15 Uhr, ARD.

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