Sonntagskrimi im TV : „Sonnenwende“: Die Tatort-Kommissare ermitteln im Schwarzwald

Von wegen Landidylle: Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) sind auf dem Hof der Böttgers, um die Familie, etwa   Mechthild (Janina Fautz, rechts), die jüngere Schwester der toten Sonnhild, zu befragen.

Von wegen Landidylle: Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) sind auf dem Hof der Böttgers, um die Familie, etwa  Mechthild (Janina Fautz, rechts), die jüngere Schwester der toten Sonnhild, zu befragen.

Zweiter Fall fürs Duo Friedemann Berg und Franziska Tobler: Welches dramaturgische Potenzial für die nächsten Geschichten schlummert in ihnen?

shz.de von
13. Mai 2018, 18:11 Uhr

Zweiter Fall für das „Tatort“-Duo Friedemann Berg und Franziska Tobler im Schwarzwald (Hans-Jochen Wagner, Eva Löbau). Und diesmal bekommen wir ein Gefühl, wie die beiden ticken. Was sie verbindet und welches dramaturgische Potenzial in ihnen schlummert für die nächsten Geschichten. Denn anders als bei der Premiere im Oktober, wo die Dramatik um einen Kindermord das Setup des Teams noch überschattete, können wir diesmal tief in die Gefühls- und Gedankenwelt der Kommissare eintauchen.

Kein Wunder, geht es doch gleich ums Ganze. Um Freundschaft und Heimat. Um Gemein- und Familiensinn und um die Bewahrung uralter Traditionen.  Ja, um „Boden und Blut. Unser Gut“, wie es in großen Lettern am Haus von Biobauer Volkmar Böttger steht (Nicki von Tempelhoff). Friedemanns urigem Freund aus Kindertagen, der mit seiner Familie gegen das Höfesterben im Schwarzwald schuftet. Doch ausgerechnet dessen Tochter Sonnhild (Gro Swantje Kohlhof) starb soeben unter mysteriösen Umständen. Obwohl alles nach einem Diabetes-Schock aussieht, macht sich Sonnhilds Verlobter Torsten verdächtig (David Zimmerschied). Er war der Letzte bei Sonnhild. Und er hat eine Tätowierung am Arm, die auf einen völkischen Heimatschutzbund hinweist.  Stachen die Kommissare mit ihren Ermittlungen etwa in ein braunes Wespennest?

Oh ja, Patrick Brunken (Buch) und Umut Dag (Regie) sorgen für ein böses Erwachen. Was lange nach Landidylle und Bio-Folklore schmeckt, wird plötzlich zur Gewissensfrage, vor allem für Friedemann. Zwischen inniger Freundschaft und tumber Deutschtümelei.

Denn dieser „Tatort“ schält eine mythische Gesinnung heraus, die zwar weltfremd anmutet, doch hochexplosiv ist – in Zeiten von Globalisierung und Migration. Und diese Weltsicht baut Druck bei den Kommissaren auf, auch untereinander, dem sie erst einmal gerecht werden müssen.  Heraus kommt so eine feine Charakterstudie unserer Hauptfiguren und die Frage: Wann wird aus Heimatliebe Nationalismus.

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