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Tatort-Kritik : Silberlocken zwischen Immobilienhaien

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Die Ermittler aus München treffen auf einen Krimi-Cocktail, der vor allem stilistisch fast über die Stränge schlägt.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2013 | 22:00 Uhr

München | Nicht ohne Grund schickt der BR seine TV-Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) mal wieder an die Immobilienfront (zuletzt 2007 im Kracher „Der Traum von der Au“). München ist nun mal der teuerste Wohnplatz Deutschlands. Fast normal, dass hier, im Rendite-Nirvana der Immobilienhaie, auch mal ein Konkurrent ins Gras beißt. Oder ein ungeliebter Alt-Mieter, der für ein neues Edel-Loft partout seine Bude nicht räumen will. Oh ja, der Tod baut hier immer mit.

Aber damit auch uns Nicht-Bayern das Thema mehr als nur ein mitleidiges Gähnen entlockt, verpassen uns Bernd Schwamm (Buch) und Regie-Magier Dominik Graf einen Krimi-Cocktail, der vor allem stilistisch fast über die Stränge schlägt. Passen doch die rasanten Schnittfolgen, die MTV-Wackelbilder oder die schaurigen Soundkaskaden eher ins Baller-Milieu eines Til Schweiger, als zu den Silberlocken Ivo und Franz.

Doch gemach! Die Verpackung ist bei Graf ja immer nur Mittel zum Zweck. Meist, um seine abstrusen Geschichten zu konterkarieren. Wie beim Tatort „Aus der Tiefe der Zeit“, wenn es im Grunde um ein welkes Starlet aus dem Showbiz der 30er Jahre geht, deren lang vermisster Sohn plötzlich in einer Baugrube tot aufgefunden wird.

Und was zunächst wie eine ölige Familienfehde aussieht, weil die einstige Zirkusprinzessin Magda Holzer (Erni Mangold) in ihrer Pullach-Villa von einer Menge cholerisch-dubioser Leute umgeben ist, die alle ein Mordmotiv haben könnten (Martin Feifel, Meret Becker, Susanna Kraus, Mišel Matievi), entpuppt sich dieser Fall zunehmend als mörderische Baufilz-Posse, in der korrupte Stadträte, windige Bauherren und gelackmeierte Bürger ins Rampenlicht geraten. Ein höchst erdverbundener „Tatort“. Nicht nur, weil die Leiche aus einem Bauloch gebuddelt wird, sondern weil es Schwamm und Graf verstehen, das besondere Münchner Flair samt seiner tradierten Geschäfts- und Erbschaftskriege in eine fühlbare Mordgeschichte zu gießen. Nemec und Wachtveitl haben hier nur gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Und das tun sie auch – ganz wunderbar!

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