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Eklat bei „Unser Song für Österreich“ : Sieg beim ESC-Vorentscheid: Andreas Kümmert es nicht

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Laut Veranstalter hat es so etwas wohl noch nicht gegeben: Mit Andreas Kümmert verzichtet der Sieger des Vorentscheids auf eine Teilnahme am ESC-Finale.

Hannover | Wer den deutschen Vorentscheid nicht gesehen hat, war überrascht, wer ihn gesehen hat auch. „Unser Song für Österreich“ (USFÖ) ging am Donnerstagabend spekatkulär zu Ende: Das Publikum wählte den Soulsänger mit Joe-Cocker-Stimme, Andreas Kümmert, zum Sieger des Abends. Doch Kümmert dachte gar nicht daran, nach Wien zu fahren. Am Ende der Show schlug er die Teilnahme am ESC-Finale aus. „Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen“, sagte der 28-Jährige am Donnerstagabend nach der Bekanntgabe des Ergebnisses. Buh-Rufe dröhnen aus dem Publikum.

Der Vorentscheid wurde live aus Hannover übertragen. Der für die Show verantwortliche NDR fiel aus allen Wolken. Kümmerts Entscheidung überraschte das komplette Team. „Wir haben da mit offenem Mund gestanden“, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Es sei Kümmerts Idee gewesen, beim ESC dabei zu sein, betonte er. Die Entscheidung ist damit wohl eher der spontanen Sorte zuzuordnen.

Das Team um Kümmert verwies nach der Show auf den öffentlichen Wirbel, dem der Sänger ausgesetzt sei. „Die Lampe ist zu groß, die da angeht“, sagte Siggi Schuller von der Plattenfirma Universal in einem ARD-Video. „Er hat alles gegeben und irgendwann festgestellt, dass er es einfach nicht packt.“ Der 28-Jährige hatte vor einem Jahr die Castingshow „Voice of Germany“ gewonnen. Der pummelige Brillenträger mit dem roten Bart wirkte stets in sich gekehrt, brillierte aber mit seiner Stimme.

Moderatorin Barbara Schöneberger reagierte kurz und schmerzlos: Sie akzeptierte auf der Bühne Kümmerts Entscheidung, schickte ihn von der eben dieser und erklärte die zweitplatzierte Ann Sophie zur Siegerin. Schöneberger habe Kümmert abgenommen, dass er nicht tief in die ESC-Maschinerie eintauchen wollte, sagte Schöneberger nach der Show. „Der hat Angst.“

Damit wird die Ann Sophie Deutschland am 23. Mai in Wien vertreten. Keine leichte Aufgabe, als Zweitplatzierte. Sie fragte das Publikum: „Wollt ihr das überhaupt?“. Barbara Schöneberger nahm allen gleich den Wind aus den Segeln: „Ja, das wollen sie“ Die 24 Jahre alte Newcomerin warb anschließend dafür, Kümmerts Entscheidung zu respektieren. „Ich finde das megamutig, dass er in dem Moment so auf sein Herz gehört hat“, sagte Ann Sophie. „Er ist ein Wahnsinnssänger und ich schätze ihn sehr. Es wäre schrecklich gewesen, wenn er sich dazu gezwungen hätte, einfach weiterzumachen.“ Die Hamburgerin singt jetzt in Wien ihren souligen Popsong „Black Smoke“. Sie hatte sich beim ESC-„Clubkonzert“ in Hamburg die Wildcard für den Vorentscheid gesichert. Internationale Erfahrung bringt die Ann Sophie mit. Sie wurde in London geboren und ging mit 20 nach New York, um Schauspiel zu studieren. Daneben startete sie ihre Musikkarriere, sang in Bars und nahm ihre ersten selbst geschriebenen Songs auf.

 

Ein Sprecher der veranstaltenden European Broadcasting Union (EBU) reagierte gelassen auf den ESC-Eklat: „Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen“, sagte EBU-Sprecher Jarno Siim der Zeitung „Die Welt“ (Online). „Für uns gilt derjenige als Kandidat, der im Mai zum Head of Delegations Meeting in Wien erscheint.“ Der Rückzug Kümmerts gefährde Deutschlands Teilnahme nicht, „auch wenn es meinen Informationen nach bisher einzigartig ist“.

In sozialen Netzwerken ließen die ersten Reaktionen auf seinen Verzicht nicht lange auf sich warten. Sänger Rea Garvey sprach bei Twitter von einem „Desaster“ - und rief dazu auf, „Barbara“ (Schöneberger) zum Finale zu schicken. Moderator Oliver Pocher kommentierte den Abend mit einem verlegen-roten Smiley.

Auch sonst herrschte in den sozialen Netzwerken eine Mischung aus Überraschung, Unverständnis und Akzeptanz für Kümmerts Entscheidung:

Acht Solokünstler und Bands stellten sich am Donnerstag dem Votum der Zuschauer, die per Telefon und SMS abstimmen konnten. Im Halbfinale gewannen Ann Sophie und Andreas Kümmert gegen die Berliner Frauenband Laing und die für den Echo nominierte Sängerin Alexa Feser. Mrs. Greenbird, Faun, Fahrenhaidt und Noize Generation waren bereits nach ihrem ersten Song ausgeschieden.

Der Eurovision Song Contest wird seit 1956 ausgetragen. Deutschland hat bisher nur zwei Mal gewonnen, 1982 mit Nicole und 2010 mit Lena. 2014 war das Frauentrio Elaiza für Deutschland angetreten und auf dem enttäuschenden 18. Platz gelandet.

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erstellt am 06.Mär.2015 | 06:57 Uhr

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