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Olli Dittrichs Beckenbauer-Double : Schorsch Aigner zur WM-Affäre: „Der Franz hat gar nichts damit zu tun“

vom

Der „falsche Kaiser“ erklärt, wie es zur Zahlung von 6,7 Millionen Euro an Robert Louis-Dreyfus kam.

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erstellt am 06.Nov.2015 | 11:37 Uhr

München | Eine gekauftes Sommermärchen, schwarze Kassen, Razzien beim DFB: Die Enthüllungen und Vermutungen erschüttern die Fußballwelt und der damalige WM-Chef Franz Beckenbauer schweigt zu den ominösen 6,7 Millionen Euro. Einer packte am Donnerstagabend im ARD-Interview aus und brachte Licht ins Dunkel: Beckenbauer-Doppelgänger Schorsch Aigner.

Schon im Juni hatte der WDR in einer „Dokumentation“ Aigner besucht und enthüllt, dass der „falsche Kaiser“ bereits vor fast 50 Jahren als Doppelgänger von Beckenbauer angeheuert worden war. Aigner vertrat ihn demnach bei Anlässen abseits des Spielfeldes, als Organisationskomitee-Chef der WM 2006 und bei vertraulichen Gesprächen mit Fifa-Funktionären. Das Ganze wirkt für den ein oder anderen zunächst vielleicht real, ist aber natürlich frei erfunden. Aigner ist eine Erschaffung von Comedian Olli Dittrich.

Schorsch Aigner berichtet offen wie nie über das Sommermärchen 2006. „Es ist zu viel Geld im Spiel“ sind seine letzten Worte im exklusiven Interview mit ARD-Reporter Tom Theunissen. Es geht um die 6,7 Millionen Euro, die der DFB an die Fifa überwiesen hat. Mit dem Geld wurde angeblich die WM 2006 in Deutschland gekauft. Und es geht um anscheinend gängige Fifa-Methoden. 

Auf einem Flughafengelände macht Theunissen Schorsch Aigner ausfindig, begleitet ihn „auf der Flucht“ in einem Privatjet. Mit dabei Aigners Frau Elfriede. Auf dem Sitz im Flieger: Die „Spiegel“-Ausgabe, die die Affäre ans Licht brachte.

Aigner spricht im Interview über seinen Besuch als Beckenbauer in Katar Anfang der 2000er Jahre. Er spricht über den Fifa-Scheich, viele Schnäpse und ein Harem an einem geselligen Abend. Im Verlauf des Besuchs habe er sich beim Scheich verplappert – er sei gar nicht Franz Beckenbauer. Der Schwindel fliegt auf. Vermutlich war zu viel Alkohol im Spiel, sagt der „falsche Kaiser“.

Der Fifa-Scheich habe ihn daraufhin erpressen wollen. Aigner sollte helfen, ihn zum Fifa-Präsidenten zu machen. Im Gegenzug bekam das Beckenbauer-Double 13 Millionen Mark für den Kauf von Ländereien im Westerwald, die der Vater Aigners einst beim Pokern verloren hatte. Zudem habe der Scheich ihm das Flugzeug zur Verfügung gestellt.

Als dann Sepp Blatter zum Fifa-Chef ernannt wurde, habe der Scheich sein Geld wieder haben wollen, sagt Aigner. Das Geld, umgerechnet eben 6,7 Millionen Euro, sei aber bereits investiert gewesen. Als Beckenbauer habe er sich die Summe dann woanders besorgen müssen und sprach mit Freund und Unternehmer Robert Louis-Dreyfus. Dann habe er als „falscher Kaiser“ einen Schuldschein im Namen von Franz Beckenbauer unterschrieben. Das Geld, laut Aigner eine „symbolische Summe“, sei vom DFB akzeptiert und eingelöst worden. Über die Fifa habe das Geld dann Robert Louis-Dreyfus erreicht. Der DFB habe so die Ländereien von Aigner bezahlt.

Und was weiß Beckenbauer über das Ganze? „Es tut mir wahnsinnig leid, aber der Franz hat nichts, aber auch wirklich gar nichts damit zu tun“, sagt Aigner.

Das Interview ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

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