Sonntagskrimi in der ARD : „Polizeiruf“: Kein anständiger Mord

Ständig am Rennen: Doreen Brasch (Claudia Michelsen) hört etwas im Treppenhaus und läuft hinauf.

Ständig am Rennen: Doreen Brasch (Claudia Michelsen) hört etwas im Treppenhaus und läuft hinauf.

Wodka und Beine: Das ist das einzige, was bei Kommissarin Brasch aus Magdeburg läuft. Wie soll man so einen Fall lösen?

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25. März 2018, 16:17 Uhr

Sie will nicht zuhören und nicht reden. Sie kann nur weglaufen. Oder besser: wegfahren – mit ihrem Motorrad. Magdeburgs „Polizeiruf“-Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) gibt die neue „Lola“ und „rennt“ davon, wenn es ernst, kompliziert oder privat wird mit ihren Kollegen. Jeden Abend „schüttet sie sich Wodka ins Gesicht“, wie sie es nennt, und hadert mit ihrem Schicksal. Teamarbeit? Fehlanzeige. Ist das schon cool oder noch Emanzipation?

Braschs Kollegen Köhler (Matthias Matschke) und ihrem Chef, Kriminalrat Lemp (Felix Vörtler), geht das Gezicke langsam auf den Keks. Wie uns Zuschauern, weil Brasch allein in diesem „Polizeiruf“ gefühlt 20 Mal ihre Kawasaki W 800 besteigt und losdüst, obwohl die Szene oder der Dialog noch offen ist. Und dann gibt es noch nicht mal einen anständigen Mord. Nur eine Brandstiftung, die dem Bauunternehmer René Ottmann gilt (Thomas Loibl). Einem fiesen Gockelstolz, der nicht nur seine Mitarbeiter und die Konkurrenz platt macht, sondern der auch sein familiäres Umfeld drangsaliert. Vor allem seine Schwägerin und deren Mann (Ursina Lardi, Sebastian Rudolph). Denn ein dunkles Geheimnis zwingt die beiden, ihm hörig zu sein. Die Schwägerin in Ottmanns Bett, der Schwager mit seinem Schweigen.

Aber der Fall ist für Josef Rusnak (Buch) und Maris Pfeiffer (Regie) eh nur Anlass, das gestörte Verhältnis der Kriminalen untereinander abzuarbeiten. Denn Lemps Versuch, den Knatsch per Supervisor in den Griff zu bekommen (Steven Scharf), scheitert grandios. An Brasch, versteht sich, die „das Gequatsche“ nicht braucht.

Lassen wir uns also überraschen, was aus dieser maroden „110“-Truppe wird, die mehr mit sich selbst als mit den Ermittlungen zu tun hat. Das war zu Draxlers Zeiten zwar nicht anders. Aber Sylvester Groth war als Widerpart von Michelsen nun mal ein anderes Kaliber als Matschke. Nun muss Brasch führen und den Pedanten Köhler auf Trab bringen. Gut so! Aber wann knistert das endlich?

 
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