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Medien : Polizeiruf: Der verlorene Sohn

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Sie ist die Rabiate. Die Sorte Frau, die Lederjacke trägt, Motorrad fährt und nur beim Nachnamen genannt werden will. Er ist der Stille. Immer mit strengem Mantel, Hemd und Krawatte.

Mit dem ungleichen Ermittler-Duo Doreen Brasch und Jochen Drexler macht die ARD-Krimireihe «Polizeiruf 110» am Sonntag um 20.15 Uhr einen Neuanfang in Magdeburg. In Halle wird nicht mehr ermittelt.

Mit Sylvester Groth (55, «Unsere Mütter, unsere Väter») und Claudia Michelsen (44, «Der Turm») hat man nach Angaben des federführenden Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), zwei der profiliertesten Schauspieler mit Ostbiografie engagiert. In der ersten Folge «Der verlorene Sohn» führte Friedemann Fromm (50, «Nacht über Berlin») Regie. Er schrieb mit seinem Bruder Christoph auch das Drehbuch.

Die Kommissare Brasch und Drexler haben den Tod eines Afrikaners in einem Magdeburger Fitnessstudio zu klären. Erst geht es um Anabolika-Handel, dann vermuten beide einen rechtsextremen Hintergrund. Den verdächtigen Jugendlichen - alles Mitglieder einer Neonazi-Band - können sie die Tat aber nicht nachweisen.

Erst ein weiterer Mord bringt die wahren Hintergründe ans Licht und konfrontiert die harte, teilweise überzeichnete Figur von Kommissarin Brasch mit ihrer Vergangenheit und ihrem Sohn. Der hat sich schon lange von der Mutter losgesagt und ist in die rechte Szene abgerutscht. Plötzlich ist er einer der Hauptverdächtigen.

Die Themenwahl des neuen MDR-«Polizeirufs» hat schon früh Aufsehen und Kritik erregt. Dass bei Magdeburgs Einstand als Fernsehkrimi-Stadt ein toter Afrikaner und glatzköpfige Neonazis eine Rolle spielen mussten, löste bei vielen Sorge um das Image der Stadt aus.

MDR-Intendantin Wille hat immer wieder betont, man wolle sich auch den unbequemen Themen stellen. «Wir wollten uns etwas zutrauen, und wir haben uns etwas zugetraut», sagte sie am 17. September bei der umjubelten Vor-Premiere in Magdeburg. Eine politische Brisanz, wie sie von Kritikern unterstellt worden war, gebe es nicht.

Unter den Kritikern war auch der Ost-Beauftragte der Bundesregierung und ehemalige Ministerpräsident des Landes, Christoph Bergner (CDU). Er hatte davor gewarnt, rechte Gesinnung als ausgewiesenes Ostproblem darzustellen. Der aktuelle Regierungschef Reiner Haseloff (CDU), nach eigenem Bekunden mehr Krimi-Leser statt Krimi-Gucker, hielt sich zurück. «Die Macher haben freie Hand zu erspüren, was der Zuschauer sehen will», sagt er. «Sie müssen sich nach der Ausstrahlung im Fernsehen an den Kritiken und den Quoten messen lassen.»

Doch der erste Magdeburger «Polizeiruf 110» ist keine schwere Kost. Trotz des ernsten Inhalts schwingt Humor mit. Vor allem das Zusammenspiel von Brasch und Drexler besticht durch Koketterie. «Ich liebe den Drexler», sagt Groth über seine überkorrekte Serienfigur, die auch mal in den Dialekt verfallen und «Machteburch» sagen darf. Michelsen hat für die Rolle extra Motorradfahren gelernt.

Das Magdeburger «Polizeiruf»-Duo löst Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler ab, die zuvor in Halle auf Verbrecherjagd waren. Der letzte MDR-«Polizeiruf» aus der Saalestadt wurde am 3. März ausgestrahlt. Es war der 50. Fall von Schwarz und Winkler. Laut MDR sollen im Januar die Dreharbeiten für den zweiten Magdeburger «Polizeiruf 110» beginnen. Zwei weitere Drehs in 2014 seien in Planung.

ARD-«Polizeiruf»

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erstellt am 13.Okt.2013 | 00:07 Uhr

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