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Fernsehen

21. Oktober 2017 | 12:44 Uhr

Medien : Nehmen, was geht

vom

Thorsten Eppert ist beim kleinen Sender ZDFneo der Mann für die ganz großen Fragen. In seiner TV-Reihe «Herr Eppert sucht...» ist der freundliche Mann mit Kinnbärtchen schon Themen wie Glück, Liebe und Tod nachgegangen.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2013 | 00:07 Uhr

Am Donnerstag um 23 Uhr untersucht er für den Spartensender nun das Phänomen Macht. Wie unterschiedlich Menschen damit umgehen, zeigt Eppert an drei Beispielen. Sein Team besucht den Medienmanager Helmut Thoma, den deutsch-ghanaischen Teilzeit-König Bansah und die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.

Eine Kernfrage: Verleiht die Macht Menschen Erotik? Eindeutig ja, sagt Thomas Frau Danièle: «Es gibt Menschen, die werden so geboren. Geboren zum Leittier. Das ist so ein Zauber. Ich wollte immer einen Mann haben, zu dem ich hoch schauen kann. Der Herr im Haus.» Der so geehrte Thoma nimmt den dauerfröhlichen Eppert in seinem Sportwagen mit. Der frühere RTL-Boss - in Rankings einst einflussreicher als der Bundeskanzler gehandelt - gibt einen gut gemeinten Rat an ehrgeizige Menschen: «Ich war mir gegenüber zu bescheiden.» Thoma betont: «Ich kann nur allen raten, um Himmels willen nicht bescheiden zu sein. Nehmen, was geht! Die anderen sind ja genauso gierig.»

Die bemerkenswerteste Szene über die Aura der Macht zeigt den Empfang eines rheinland-pfälzischen Golfclubs für den ghanaischen König Bansah. Der Mann mit Goldkrone, Ornat und buntem Umhang verleiht seinen Glanz an Termine wie diesen, um Geld für seine mehr als 200 000 Untertanen in Afrika zu sammeln. Im Alltag steht der Kfz-Mechaniker mit Blaumann in seiner Werkstatt in Ludwigshafen.

Sein Volk, das den Wahl-Pfälzer zuweilen auf dem Handy anruft, nähert sich ihm angeblich auf Knien und geduckt. Nachprüfen lässt sich das nicht, sein Reich ist fern. «Ich darf sie bestrafen, aber mache es nicht. Wenn ich sage "Der muss ins Gefängnis", sperren sie ihn sofort ein.» Bansah hat einmal für ein Foto mit Helmut Kohl posiert. Der Ghanaer deutet aufs alte Bild mit dem Christdemokraten und sagt lächelnd: «Mein schwarzer Freund.» Macht? Das sei doch nichts anderes als Stress, ein 24-Stunden-Job für sein Volk.

Am entferntesten von der Macht gibt sich die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Sie soll über ihre Alphatier-Beziehung mit Oskar Lafontaine erzählen, hat aber wenig Lust dazu. Das Privateste aus dem Nähkästchen ist noch, dass er immer am Steuer sitzt, weil sie keinen Führerschein hat. «Wenn wir fahren, fährt er.» Macht spiele in ihrer Partnerschaft keine Rolle. Und, was sagt sie, verleiht Macht erotische Anziehungskraft? Sie verneint fast verächtlich. «Könnte ich jetzt so nicht bestätigen. Ich kenne genügend Leute, die in der Bundesrepublik wirklich Macht haben und auf mich null Ausstrahlung haben.» Man sehe sich doch nur die Minister an.

Eppert kann bei der Suche nur an der Oberfläche kratzen. Die eigentlich Mächtigen haben ihm einen Korb gegeben. 54 Absagen hagelte es - von Deutscher Bank bis zu Daimler.

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