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Fernsehen

17. Oktober 2017 | 04:36 Uhr

Medien : Nazis im BND

vom

Sie nannten ihn den «Schlächter von Lyon». Klaus Barbie (1913-1991) war unter Adolf Hitler Gestapo-Chef in der französischen Stadt und verantwortlich für Folter, Deportation und Ermordung von tausenden Menschen. Darunter auch 44 jüdische Kinder, die Barbie in das Konzentrationslager Auschwitz bringen ließ.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2013 | 00:07 Uhr

Als Kriegsverbrecher stand er auf Fahndungslisten und wurde in Frankreich in seiner Abwesenheit zum Tode verurteilt. Gefasst wurde Barbie aber nicht. Im Gegenteil: Er verdiente noch Jahrzehnte gut beim deutschen Geheimdienst, wie die ARD-Dokumentation «Nazis im BND - Neuer Dienst und alte Kameraden» (Montag, 23.30 Uhr) zeigt.

«Nazis im BND» schildert historisch-nüchtern, aber eindrucksvoll, wie deutsche Kriegsverbrecher nach 1945 nahtlos an ihre Karriere in der Nazizeit anknüpfen konnten. Zunächst waren sie gedeckt durch die amerikanischen Besatzer, die deutsche Spione zur Beobachtung des Kommunismus brauchten; später dann indirekt durch die Bundesregierung, die es mit der Entnazifizierung nicht so genau nahm.

So machte Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) den Mitverfasser der Nürnberger Rassegesetze, Hans Globke, Mitte der 50er Jahre sogar zum Chef des Kanzleramtes und damit auch des Bundesnachrichtendienstes (BND). «Gleichzeitig war es ein stilles Zeichen an die ehemaligen Nazis in der Wirksamkeit einer nicht ausgesprochenen Amnestie», kommentiert SPD-Politiker Egon Bahr in der Dokumentation.

Zwar kommt es mit steigendem öffentlichen Druck auch zu internen Untersuchungen. Rauswürfe gibt es trotzdem kaum. Bestrafungen schon gar nicht, sagt die Doku: «Keiner der überprüften BND-Mitarbeiter wird für ein NS-Verbrechen zur Verantwortung gezogen.»

Autorin Christine Rütten sichtete in monatelangen Recherchen viele Akten, die der Öffentlichkeit lange unzugänglich waren. Sie folgte den Spuren der «alten Kameraden» bis nach Südamerika und zeichnet so das Bild eines skrupellosen Geheimdienstes, der trotz Ermittlungen und Fahndungslisten Männer von SS und Gestapo beschäftigte.

«Nazis im BND» weist auch Kontakte von Mitarbeitern des Nachrichtendienstes zu Alois Brunner nach, dem wichtigsten nie bestraften Kriegsverbrecher. Der Mann, der für den Tod von 130 000 Juden verantwortlich sein soll, taucht auf Fotos mit BND-Beschäftigten auf, wie die Macher der Doku nachzeichnen. Beweise dafür, dass Brunner auch für den Geheimdienst gearbeitet hat, gibt es bislang nicht. Eine 600-seitige BND-Akte über den Kriegsverbrecher wurde nach Darstellung der ARD-Dokumentation in den 90er-Jahren vernichtet.

Bis 2010 hatte der BND noch beteuert, es gebe «keinerlei Hinweise» auf Brunner im BND-Archiv.

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