zur Navigation springen

Medien : Mein Mann, ein Mörder

vom

Der Alltag von Minette und Paul wirkt wie eine heile Welt: Sie leben in einer schmucken Münchner Altbauwohnung, haben zwei Kinder und Jobs, die sie ausfüllen. Sie treffen sich mit Freunden zum Dinner, gehen in die Oper und pflegen das Familienleben am Küchentisch.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 00:07 Uhr

Das ist aber nur ein Teil ihres Lebens - ein anderer ist ein schmutziger, der im Verborgenen abläuft. Er hat mit Betrug, missbrauchtem Vertrauen und einem Mordverdacht zu tun. Arte zeigt die Erstausstrahlung von Lancelot von Nasos «Mein Mann, ein Mörder» mit deutscher Starbesetzung am Freitag (20.15 Uhr). Veronica Ferres (48) und Ulrich Noethen (53) überzeugen in ihren Rollen als Eheleute.

«Es gibt Kalbsschnitzel», sagt Minette (Ferres) am Telefon. Paul (Noethen) antwortet: «Da freu ich mich drauf.» Er legt auf und wendet sich - bevor er nach Hause fährt und der sympathische Familienvater sein wird - Nora zu. Seiner Geliebten. Was er nicht weiß: Minette sieht zu - von weitem, versteckt - im Parkhaus gegenüber des Hotels.

Regisseur von Naso präsentiert dem Zuschauer einen Film über Unausgesprochenes und verborgene Welten. Es ist kein plattes Mann-betrügt-Frau-mit-Jüngerer-Thema, das er auftischt. Es geht um innere Zerrissenheit. Paul lässt diesen Konflikt immer wieder durch seine Hektik erkennen, Minette eher durch ihre sorgenvollen Blicke.

Der Film ist ein Zusammenspiel aus vielen Ebenen: Es gibt die Ebene des Familienlebens, das schön anzusehen ist. Dann die der Beziehung Noethens zu seiner Geliebten, die von ihm fordert, dass er sich von seiner Frau trennt. Und es wird die Welt von Minette sichtbar, die von einem Mann, der sich als Partner von Nora ausgibt, mit Infos über den Seitensprung versorgt wird. Naso lässt alles subtil am Küchentisch peu à peu eskalieren - mitten in der Familienidylle bei Züricher Geschnetzeltem und Rotwein. Zeit für Wahrheiten, auch wenn es zunächst nur halbe sind.

Von Naso ist durch seinen Debütfilm «Waffenstillstand» (2009) bekannt geworden. Dieser brachte ihm sofort Erfolg und zahlreiche Preise ein, darunter den Nachwuchsproduzentenpreis beim Bayerischen Filmpreis und den Publikumspreis beim Züricher Filmfestival. Der Thriller erzählte damals den Irakkrieg aus der Perspektive von Helfern und Journalisten: Eine Gruppe von Idealisten, die im April 2004 eine 24-stündige Feuerpause nutzt, um medizinische Hilfsgüter von Bagdad nach Falludscha zu bringen. «Nachrichtensendungen zeigen meist die Toten, ein Spielfilm kann die Menschen zeigen, die übrig bleiben», beschrieb von Naso einmal seine Absichten.

«Mein Mann, ein Mörder» setzt sich ebenfalls mit dem auseinander, was bleibt. Was von einer Ehe bleibt, in der das Unausgesprochene immer größeren Raum einnimmt. Aber der rund 90 Minuten lange Film bietet auch viel gute Unterhaltung: Er nimmt eine fatale Wende, als Paul mit Nora über das Wochenende nach Prag fährt. Er beteuert auf der Zugfahrt dorthin, dass er seine Frau nicht für sie verlassen wird. «Ich spiele nicht Familie, ich habe eine.» Er kommt von der Reise allein zurück - das Familiendrama wandelt sich zu einer Art Krimi. Minette, die zwar ihren Ehemann wieder ganz für sich hat, muss sich jetzt mit einem Mordverdacht auseinandersetzen.

Filminfos auf Arte

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen