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„Tatort“-Kritik : Manege frei für Ulrich Tukur

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Zwischen Begeisterung und Verwirrung fragt sich mancher: Was hat das noch mit einem „Tatort“ zu tun? Gar nix! Denn jetzt erreicht die One-Man-Show von Ulrich Tukur einen ganz neuen Höhepunkt.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2013 | 17:57 Uhr

Zugegeben, die beiden „Tatorte“ mit Ulrich Tukur fielen heftig aus dem Rahmen. Zum einen, weil die Figur der Wiesbadener LKA-Spürnase Felix Murot so exzentrisch und eigenbrötlerisch angelegt ist, dass sie das Teamwork der anderen „Tatort“-Kollegen bewusst konterkariert. Zum anderen, weil der jeweilige Mordfall nicht unbedingt Gegenstand der Handlung, sondern eher schauriges Dekor einer beispiellosen Selbstinszenierung ist.

Eines Gastspiels im billigen Unterhaltungsfach, quasi, das Tukur womöglich als Gnadenakt an ein Massenpublikum versteht, das sich nach ihm verzehrt. Kommen ihm doch sonst nur anspruchsvolle Großproduktionen in die Tüte („Rommel“, zuletzt im Kino: „Exit Marrakech“). Und zwischen Begeisterung und Verwirrung, wird sich auch heute Abend mancher fragen: Was hat das noch mit einem „Tatort“ zu tun?

Gar nix! Denn jetzt erreicht Tukurs One-Man-Show einen ganz neuen Höhepunkt. Nicht er füllt eine komplexe Geschichte mit seiner schauspielerischen Hybris, sondern die Geschichte ist gleich so konstruiert (Buch und Regie: Justus von Dohnányi), dass der Meister allen seinen Affen Zucker geben kann. Sei es als Kripo-Superhirn oder als Frauenschwarm, als melancholischer Chef von LKA-Puttchen Magda Waechter (superb: Barbara Philipp) oder als singender Clown und Klaviervirtuose.

Und wo lassen sich all diese Plaisierchen am besten abfilmen? Natürlich im Zirkus. Zwischen miesepetrigen Artisten (u.a. Uwe Bohm, Jevgenij Sitochin, Josef Ostendorf) und leicht verliebten Tänzerinnen (Dorka Gryllus). Illumination, Magie und doppeltes Spiel pur.

Ach ja, ein Mord muss auch noch her. Warum nicht in Gestalt einer hysterischen Dame (Victoria Trauttmansdorff), die im Zirkus zuerst herumschreit und dann hinterrücks erdolcht wird? Bitteschön, so sei es!

Mehr muss man nicht wissen, um sich auf diesen Krimi einzulassen. Einen Krimi, der alles ist: lustvolle Nabelschau, tragikomisches Versteckspiel und mörderisches Varieté. Nur eben kein „Tatort“. Aber wen interessiert das – bei dieser Tukur-Gala?

„Tatort – Schwindelfrei“, 20.15 Uhr, ARD

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