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„Tatort“-Kritik : Manege frei – für den nächsten Mord

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Im Zirkus Burani wird ein junger Mitarbeiter erschlagen. Waren es seine Kollegen? Oder die Mafia? Für die Ludwigshafener Kommissare Lena Odenthal und Mario Kopper wird der Fall zur Feuerprobe.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2014 | 18:01 Uhr

Als hätten wir nicht eben Ulrich Tukur undercover als „Akrobat schöön“ erlebt, kommt uns am Sonntagabend die nächste Gaukler-Truppe in den „Tatort“. Und wieder sitzen unsere Kommissare mitten im Zirkus, um später genau dort eine Leiche zu begutachten. Oops?

Diesmal sind es Lena Odenthal und Mario Kopper (Ulrike Folkerts, Andreas Hoppe), die sich ihre Kinderträume zurückholen wollen. In der Manege. Zwischen Pferdchen und Ziegen und bunten Clowns. Also da, wo es so heimelig riecht – nach Sägespänen und Kamelpisse. Und wo selbst der friedlichste aller Tierschützer Schaum vor dem Mund hat.

Klar, dass es sich hier auch Lena nicht nehmen lässt, irgendwann selbst aufs Hochseil zu steigen. Motto: Was Tukur kann, kann Frau Folkerts schon lange. Aber den „Tatort“ heute rettet sie damit noch lange nicht.

Denn Harald Göckeritz (Buch) und Till Endemann (Regie) versäumen es, das nostalgische Milieu und den verzweifelten Überlebenskampf des Familienzirkus „Burani“ in eine fühlbare Story zu gießen. Einmal mehr gerieren sich unsere Ludwigshafener Cops in ihrem Mordfall als Fremdkörper und stochern mit ihren Fragen wie im Nebel.

Der brutale Tod eines Artisten, das strenge Regiment von Zirkus-Matriarchin „Lousiana“ (Steffi Kühnert), das verquere Liebesleben der Angestellten (u.a. Liv Liesa Fries, Hanno Foffler), die krummen Geschäfte der Zirkusleute mit Antiquitäten und ein geheimnisvoller Unbekannter aus Tunesien (Carlo Ljubek) – all das sieht interessant aus, rührt uns aber nicht im Geringsten. Zumindest nicht mehr, als das bunte Treiben in einer Petrischale unter dem Mikroskop.

Anämische Figuren, steife Dialoge und Lenas mittlerweile schablonenhafte Larmoyanz – der Niedergang des einst so eloquenten Kripo-Duos aus Ludwigshafen setzt sich auch heute fort. Na, wenigstens bleibt uns das nächste „göttliche Gitarrensolo“ von Kopper erspart.

Obwohl, Moment mal. Wenn ihr „Tatort“ nicht mehr funzt, sollten Folkerts und Hoppe vielleicht nur noch Seil tanzen und klimpern. Das, immerhin, ließe uns nicht immer so traurig zurück.

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