Medien : Macho schnuppert Familienluft - «Papa auf Probe»

Pasquale Aleardi (M) als Moritz Kaiser ist «Papa auf Probe».
Pasquale Aleardi (M) als Moritz Kaiser ist «Papa auf Probe».

Er: Macho, kreist ausschließlich um sich selbst, machthungrig. Sie: Verlassene Ehefrau, überarbeitete Mutter von zwei Kindern, hat notorische Geldsorgen. In einem Berliner Café kreuzen sich die Wege von Moritz und Nina - eine skurrile Geschäftsbeziehung entsteht.

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08. November 2013, 08:07 Uhr

Er bezahlt den neuen Geschirrspüler für die Mutter, Fußballschuhe für ihren Sohn und Schminkzeug für ihre Tochter - dafür mimen die drei bei Bedarf seine traute Familie, die Moritz braucht, um bei seinem Chef zu punkten. Das Erste zeigt die Komödie «Papa auf Probe» mit Pasquale Aleardi und Tanja Wedhorn am Freitag (8. November, 20.15 Uhr).

Bevor Moritz den Deal mit seiner neuen Miet-Familie eingeht, ist sein Leben ein einziger Erfolgsrausch: Der Wahl-Junggeselle ist ein Top-Designer und lebt in einer Luxuswohnung. Für ihn teilt sich die Männerwelt in zwei Lager: Tiger wie er und Pinguine. Während die Raubtiere Sex haben und wild sind, watscheln Pinguine brav an der Hand ihrer Ehefrauen und gehen früh ins Bett. Weil es Moritz mit dem «Jagen» übertreibt und mit der Frau seines Chefs eine Affäre eingeht, verliert er seine Arbeit. Er gerät auf der Suche nach einem neuen Job an einen Hersteller für Kindermöbel - der allerdings getreu der Firmenphilosphie nur Familienväter einstellt.

Also beißt Moritz die Zähne zusammen und schnuppert zum ersten Mal als Ersatzvater Familienluft. Wurstbrote statt Schampus heißt es jetzt. Zwischen ihm und der Kellnerin Nina kracht es zunächst ordentlich: Er nennt sie ein «streitsüchtiges Biest», für sie ist er ein Egomane ohne Familiensinn. Dennoch funkt es zwischen den beiden.

Der kurzweilige und an vielen Stellen witzige Film von Regisseur Udo Witte lebt von dem bewusst Überzeichneten. Moritz' neuer Chef ist ein weicher Typ, der sich von seiner Frau unterbuttern lässt und in seinem Büro seinen Geschäftspartnern Dinkelkekse anbietet. Ninas pubertierende Tochter Jule (Camares Amonat) ist als Manga-Comic-Girl gestylt unterwegs: völlig überschminkt, künstliche Wimpern, Zehn-Zentimeter-Absätze. Sie nennt Moritz nur «Hirni». Bei den Treffen mit der Chef-Familie beim Minigolfen, Kurzurlaub im Kinderparadies-Hotel und Tofu-Huhn-Essen droht das Lügengerüst Traumfamilie immer wieder einstürzen.

«Papa auf Probe», 2011 im Auftrag der ARD Degeto in Berlin gedreht, präsentiert sich auch als eine Hommage ans Familienleben. Als eine Saulus-Paulus-Geschichte von einem kaltherzigen Single-Macho-Typ zu einem feinfühligen Ersatzvater. Die Schlüsselfigur, die den Wandel bei Moritz in Gang setzt, ist Ninas Sohn Max (Tom Hoßbach). Er sehnt sich nach seinem Vater, der die Familie verlassen hat. Alles, was er dem Jungen zurückließ sind Karl-May-Bände - Max verschlingt sie. Moritz findet sofort einen Draht zu dem Jungen. Als schließlich der Schwindel Miet-Familie auffliegt, muss es sich entscheiden, ob das Vertrauen zwischen Moritz und der Familie echt ist.

Die Komödie stärkt das Vorhaben der ARD-Filmtochter Degeto, den Freitagsfilm um 20.15 Uhr in der ARD vom Schnulzen-Image zu befreien. In einem Interview der «Heilbronner Stimme» sagte Geschäftsführerin Christine Stobl bereits Mitte 2012: «Wir müssen die Filme heutiger, zeitiger, moderner und farbiger erzählen, ohne die Leichtigkeit, die Herzlichkeit und die Liebesmomente zu verlieren.»

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