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TV-Kritik : Liebe am Fjord – Sog der Gezeiten

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Auch das deutsche Fernsehen kann überraschen. Wer als Ottonormalzuschauer den Titel „Liebe am Fjord“ liest, hat gewisse Erwartungen.

shz.de von
erstellt am 01.Nov.2013 | 00:07 Uhr

Sentimentale Kamerafahrten durch Felsenschluchten, träumerische Rosamunde-Pilcher-Musik und eine seichte Romanze, die sich trotz kleiner Unwägbarkeiten in einem Wohlfühl-Happy End ergießt. All das ist „Liebe am Fjord – Sog der Gezeiten“ nicht. Die ARD zeigt das Melodram am Freitag (20.15 Uhr).

Architektin Agnes Wallem, gespielt von Esther Schweins, reist in eine kleine Stadt am norwegischen Sognefjord, wo sie ein neues Gemeindehaus bauen soll. Was sie nicht weiß: Ihr Ex-Freund Kristian (Hendrik Duryn) ist der Mann der örtlichen Bürgermeisterin Luisa (Stephanie Japp). Die hat Agnes eingeladen - obwohl sie von der gemeinsamen Vergangenheit ihres Partners mit der Frau weiß.

Was nun passiert, ist freilich vorhersehbar: Agnes und Kristian kommen sich wieder näher. Auch Kristians und Luisas Tochter Mia hat einen Narren an Agnes gefressen. Luisa verfolgt alles eher zurückhaltend. Schließlich schlägt die Bürgermeisterin ihrem Mann sogar vor, Agnes zum Essen einzuladen, während sie noch arbeiten müsse. Es wirkt, als habe Luisa das Wiedersehen der beiden von langer Hand geplant. Warum, bleibt lange die Unbekannte in der Rechnung.

Das Gemisch entwickelt sich zu einer komplexen Beziehungsgeschichte, als auch noch Agnes' Freund Jonas als Überraschung aus Deutschland nachreist. Er begreift schnell und bringt das Dilemma auf den Punkt: „Du schläfst mit deinem Ex-Freund, Du lässt Dich von seiner kleinen Tochter anhimmeln und seine Frau scheint sich auch noch darüber zu freuen.“

„Sog der Gezeiten“ aus der Reihe „Liebe am Fjord“ ist nicht der Gute-Laune-Kitsch, den der Name vermuten lässt. Hauptdarstellerin Esther Schweins und ihre Kollegen spielen ihre Parts routiniert herunter. Wirklich überzeugen kann das Melodram aber auch nicht. Die Kulisse Norwegens ist mit der Geschichte überhaupt nicht verknüpft – wenn im Hintergrund nicht manchmal ein Kreuzfahrtschiff vor steilen Abhängen vorbeigleiten würde, könnte die Story auch im Alpenvorland Platz finden.

Die Macher halten an der seltsamen Tradition deutscher Fernsehproduktionen fest, ausländische Drehorte konsequent einzudeutschen. Sprachbarrieren gibt es am Fjord deshalb nicht, Verbindung zu Kultur oder Gesellschaft des Landes sucht man vergeblich. Das nordischste, was es ins Drehbuch schaffte, sind die Namen „Ole“ und „Sven“.

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