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Medien : Küppersbuschs Wahlkampf-Bilanz: «Thema verfehlt - Setzen!»

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Vier Monate lang hat Friedrich Küppersbusch in «Tagesschaum» den Wahlkampf kommentiert. Die Quoten waren zwar bestenfalls Durchschnitt, aber das innovative Format fand viel Zustimmung.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2013 | 10:17 Uhr

«Onkel Fred» als sarkastischer Wahlkampf-Beobachter in minimalistischer Kulisse - die Sendung kam schlicht aus seinem Büro - das hat man so noch nicht gesehen. Eine Fortsetzung sei aber frühestens für den nächsten Wahlkampf zu erwarten, sagt Küppersbusch im dpa-Interview.

Frage: Als es losging, meinten Sie, dies könne der langweiligste Bundestagswahlkampf überhaupt werden. Hat sich Ihre Befürchtung bestätigt?

Antwort: Also, was uns hier betrifft, war's der schönste Bundestagswahlkampf. Tut mir leid für die anderen Wählerinnen und Wähler!

Frage: Sie haben sich gut amüsiert, das konnte man sehen.

Antwort: Großes Kinderferienlager. Wobei man sagen muss: Wenn ich die Sendung hier nicht hätte machen können, wär's echt schlimm gewesen dieses Jahr. Wenn es die Option am Sonntag gäbe, würde ich ankreuzen: Thema verfehlt. Sechs. Setzen!

Frage: Warum war der Wahlkampf denn so unbefriedigend?

Antwort: Eigentlich war es doch selten so, dass eine Legislaturperiode ein so eindeutiges Thema hatte wie diese, vielleicht mal abgesehen von der Wahl 1990 mit der Wiedervereinigung. Es ging diesmal um Bankenkrise, Finanzkrise, Eurokrise, europäische Krise. Und dann ist das tatsächlich wie mit der Schere abgeschnitten worden, so nach dem Motto: Jetzt ist Wahlkampf, jetzt reden wir nicht mehr drüber.

Frage: Trifft dieser Vorwurf vor allem die Opposition?

Antwort: Irgendwo trifft er alle, aber der Ball liegt da in der Tat eher bei der Opposition.

Frage: Sie haben sich ja auch ziemlich auf Steinbrück eingeschossen.

Antwort: Da hat er ja nun wirklich drum gebettelt, da will man dann auch nicht engherzig sein.

Frage: Und Merkel - zu Merkel fällt Ihnen nichts mehr ein?

Antwort: Frau Merkel kann Wahlkampf am besten - ausfallen lassen. Das ist ihr weitgehend gelungen.

Frage: Warum läuft die letzte Sendung denn schon an diesem Freitag? Man will doch nun auch hören, wie Sie das Ergebnis der Wahl kommentieren.

Antwort: Das war der Deal. Wir begleiten die Leute bis zur Urne, und dann schweigt des Sängers Höflichkeit. Das war von Anfang an das Konzept, und das hat uns ja auch diese enorme Freiheit verschafft. Überlegungen wie «Können wir den Witz noch machen oder fliegen wir dann raus?», haben sich so nicht gestellt, denn so schnell kann man gar nicht rausfliegen wie wir sowieso wieder weg sind.

Frage: Also keine Fortsetzung?

Antwort: Der WDR ist während der laufenden Produktion auf uns zugekommen und hat vorgeschlagen, dass sie die Format- und die Titelrechte mit erwerben. Das wäre die Grundlage für eine mögliche künftige Zusammenarbeit. Aber das steht vorerst nicht an.

Frage: Das heißt: Auf Wiedersehen in vier Jahren?

Antwort: Wir können Frau Merkel den Hinweis nicht ersparen: Der Weg zu mehr «Tagesschaum» führt nur über Neuwahlen.

Frage: Gehen Sie eigentlich wählen?

Antwort: Ja. Um 17.50. Und dann mal sehen, was passiert.

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