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Fernsehen

11. Dezember 2017 | 07:11 Uhr

Medien : Komasaufen

vom

«6 x Glück» steht auf dem Sixpack Bier, den Lukas mit zur Party bringt. Glück ist es, was der 16-Jährige und seine Freunde mit Bier, Schnaps und süßen Mix-Getränken auf Teufel komm raus herbeisaufen wollen.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 00:07 Uhr

Aber glücklich wird niemand im ARD-Film «Komasaufen» (Mittwoch, 20.15 Uhr). Weder Lukas noch seine Freunde - und auch nicht die Erwachsenen um sie herum, die den Exzessen der Teenies ziemlich hilflos zusehen müssen.

Es beginnt harmlos. Lukas (Markus Quentin) hat Probleme in der Schule, der neue Freund seiner Mutter passt ihm nicht, die schöne Sylvia (Anna-Lena Klenke) ist leider mit Alpha-Männchen Timo (Julius Nitschkoff) zusammen. So weit, so normal. In der Clique um Timo und Sylvia gehört Alkohol zum Alltag - viel Alkohol. «Haste Angst vor paar Umdrehungen?», muss Lukas sich anhören, als er nach der Schule die Bierdose ablehnt. Er will dazugehören und macht mit. Für ein anerkennendes «Gut gemacht, Dicker» und ein Schulterklopfen überschreitet er schließlich sämtliche Grenzen.

Dem Absturz haben die Erwachsenen wenig entgegen zu setzen. Lukas' Mutter (Aglaia Szyszkowitz) beteuert: «Ich will, dass wir eine glückliche Familie sind» - und verkennt, dass ihr ehrgeiziger neuer Freund (Oliver Mommsen) den stillen Jungen restlos überfordert. Lukas' Vater (Kai Scheve) macht sich Sorgen - mehr nicht. Der Sozialarbeiter (Falk-Willy Wild), der sich um Sylvia kümmern soll, gibt sich sichtlich Mühe - und scheitert.   26 349 Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 19 Jahren wurden 2011 in Deutschland stationär in einem Krankenhaus behandelt, weil sie gefährlich viel getrunken hatten. Flatrate-Partys und Alkopops, das waren eine Zeit lang Aufreger-Themen. Der Statistik zufolge ist der Alkoholkonsum bei Jugendlichen rückläufig. Trotzdem erzählt «Komasaufen» Geschichten, wie sie sich hundertfach abspielen in Deutschland. «Es ist keine Frage des Milieus oder der Intelligenz», erklärt ein Arzt im Film der ratlosen Mutter.

Plakatkampagnen und Aufklärung sollen die deutschen Jugendlichen vom Saufen abhalten. Ob Slogans wie «Kenn dein Limit», «Bunt statt blau» oder «Null Alkohol - Voll Power» helfen? Die Alkohol-Industrie hält jedenfalls dagegen. Marken wie Jägermeister oder Becks arbeiten mit riesigem Aufwand an ihrem Image als Spaß- oder Coolness-Garanten. In «Komasaufen» geht es allerdings kaum ums Spaßhaben und Coolsein. «Ihr feiert nicht, ihr sauft nur!», schleudert ein Mädchen der Clique einmal entgegen und beschreibt damit die Grundstimmung des Films.

Regisseur Bodo Fürneisen hat für die jungen Hauptrollen auf unbekannte Schauspieler im Teenie-Alter gesetzt. Wegen der Authentizität, wie er in einem SWR-Interview zum Film sagt. Eine gute Idee: Die Jugendlichen überzeugen in ihren Rollen streckenweise mehr als ihre älteren Kollegen. «Komasaufen» lässt seine Protagonisten ins Unglück schlittern und bietet auch keine Problemlösung an - kommt aber leider nicht ganz ohne Klischees und erhobenen Zeigefinger aus.

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