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Musik : Karajan - das zweite Leben

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Berlin (dpa) – Magier, Perfektionist, Technik-Freak: Nicht nur im Konzertsaal - auch im Studio herrschte Herbert von Karajan bis zum letzten Ton. Stundenlang feilte der Dirigent an den Aufnahmen, ließ Passagen wiederholen und Tonspuren neu mischen.

Zur Durchsetzung seines Klangideals überließ der Maestro nichts dem Zufall. Vor seinem 25. Todestag im kommenden Jahr erinnert ein TV-Film im Kulturkanal Arte an diesem Mittwoch (21.8., 21.50 Uhr) an das musikalische Vermächtnis Karajans (1908-1989) und an seine Suche nach dem perfekten Sound. Gleichzeitig versammelt eine neue CD-Edition alle Aufnahmen des Dirigenten auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den 70er Jahren.

Für seine knapp einstündige Dokumentation «Karajan - das zweite Leben» hat Eric Schulz, Autor eines preisgekrönten Films über Carlos Kleiber, Musiker und Techniker befragt, die mit dem Dirigenten tagelang in der Berliner Philharmonie und am Mischpult an den Einspielungen feilten. Am Beispiel Karajans wird der Übergang von der analogen Ära in das Digitalzeitalter sichtbar. Zu dessen Pionieren gehörte eben auch der Dirigent, der mit Sony-Gründer Akio Morita die «Compact Disc» (CD) entscheidend förderte. Fasziniert berichtet Karajan in einer der bisher unveröffentlichten Filmsequenzen über die CD-Scheibe mit ihren «Millionen Bits» auf einer «fast unzerstörbaren» Silberscheibe.

«Karajan würde sich im Grab umdrehen, weil er das Internet-Zeitalter nicht mehr erlebt hat», sagt der damalige EMI-Produzent Peter Alward. Immer wieder meldet sich Karajan am Telefon bei Toningenieur Günter Hermanns, um über die Ausrichtung der Mikrofone oder die Balance zu sprechen. Die Gespräche sind dokumentiert und erlauben einen Blick in Karajans Arbeitsweise. Nicht nur die Techniker sind begeistert von Karajans Akribie. Ob die Geigerin Anne-Sophie Mutter oder die Sopranistin Brigitte Fassbaender – sie alle schwärmen von seiner fast magischen Anziehung, seiner Hinwendung zur Musik. «Karajan besaß Charisma schon beim Salatessen», sagt Anne-Sophie Mutter.

Der Film zeichnet nach, wie Karajan den mittlerweile legendären – und zuweilen als Breitwand-Sound kritisierten - Klang der Berliner Philharmoniker in der Aufnahmetechnik durchsetzte. In seiner «Kathedrale», der für ihre Akustik berühmten Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem, fühlte sich Karajan bei Aufnahmen am wohlsten.

Karajan ahnte das Zeitalter der allzeit verfügbaren Musik voraus. Ein öffentliches Musikerlebnis war für ihn nicht mehr nur das Konzert, sondern auch die Aufnahme, schreibt der Autor Peter Uehling in dem Begleitbuch zu der neuen CD-Box mit allen Einspielungen für die Deutsche Grammophon in den 70er Jahren. Dazu gehören die Sinfonien von Beethoven, Brahms oder Bruckner, die zwischen kammermusikalischer Präzision und großorchestralem Auftritt wechseln, aber auch Bachs «Magnificat» und Mozarts «Requiem».

Vor allem die Werke der Zweiten Wiener Schule, insbesondere Arnold Schönbergs Variationen für Orchester, spornten ihn zu neuen technischen Lösungen an. Erst in der Aufnahme erreichte Karajan das klangliche Ergebnis, das ihm für das Stück vorschwebte. Danach dirigiert er die Variationen nie wieder. «Ich komme ganz sicher wieder», sagt Karajan einmal im Interview. Kurz vor seinem Tod zeigte er sich aber niedergeschlagen. Von einem Vermächtnis wollte er nichts mehr wissen.

Arte-Seite zu Karajan-Film

Deutsche Grammophon zu Karajan

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erstellt am 21.Aug.2013 | 00:07 Uhr

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