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Neo Magazin Royal : Jan Böhmermann: Zuschauer sollen Witze für nächste Show schreiben

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Der Moderator hat sich nach einigen schweigsamen Wochen wieder zu Wort gemeldet und angekündigt, in seiner nächsten Show keine eigenen Witze machen zu wollen. Außerdem wird der Auftritt in einer US-Talkshow verschoben.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2016 | 15:16 Uhr

Nach längerer Funkstille twittert Jan Böhmermann seit dem 30. April wieder - zur Freude seiner Fans. Am Mittwoch war er dann auch wieder zu sehen und kündigte an, in seiner nächsten Show keine eigenen Witze machen zu wollen.

Moderator Jan Böhmermann hatte in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“  ein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen und neben der Strafverfolgung auch einen Skandal um die Pressefreiheit ausgelöst. Er zog sich zurück und äußerte sich wochenlang nicht öffentlich.

Erst begann Böhmermann einen Video-Live-Stream bei Periscope, dann wechselte er zu Facebook. Böhmermann beantwortete Fragen von Fans und stellte dann das Kozept für das erste Standup in seiner Sendung nach der Pause vor. Er will sich mit eigenen Witzen erst einmal komplett zurückzuhalten. Die Zuschauer sollen in der nächsten Sendung ran. „Weil es ein bisschen schwierig ist, Witze zu machen zurzeit. Ich weiß nicht, was ich noch sagen darf. Kommt da die Polizei? Wird da ermittelt?“, sagte der TV-Satiriker.

Für die Sendung am 12. Mai können Zuschauer Witze einschicken. Die Einsender der Witze, die dann in der Sendung vorgetragen werden, erhalten jeweils 103 Euro. „Das Stichwort ist Crowdsourcing.“ Details, wie das funktionieren soll, werde er noch bekanntgeben. So viel steht schon fest: „Die Witze müssen politisch korrekt sein“, sagte Böhmermann. Und: „Ihr müsst vorher einen Juristen fragen.“ Und noch etwas kündigte Böhmermann an: Ein Politiker ist zu Gast - „ein kleiner, lustiger, deutscher Politiker, in dessen Gegenwart man nicht das Wort Stasi sagen darf.“ Ein Sprecher des Linke-Politikers Gregor Gysi bestätigte am Donnerstag, dass Gysi in der nächsten Sendung des „Neo Magazin Royal“ zu Gast sein werde.

Fans hatten auf Facebook die Gelegenheit, Böhmermann live Fragen beantworten zu lassen. Ob die Affäre um sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ihn stark belaste, fragte einer. „Als Spaßvogel so 'ne Nummer abzuziehen, war natürlich mega“, antwortete Böhmermann. „Aber die persönlichen Konsequenzen, die jetzt nicht sehr überraschend kamen, aber die tatsächlich da waren, die sind dann tatsächlich so unangenehm, dass es an die Nerven geht, klar.“

Warum er es trotz der erwarteten Reaktionen durchgezogen habe, wollte ein anderer wissen. Darauf der 35-Jährige: „Weil es mein Job ist. (...) Es geht tatsächlich darum: pushing the boundaries (etwa: die Grenzen auszuloten).“ Über Applaus aus der rechten Ecke sagte Böhmermann: „Man kann sich nicht aussuchen, wer klatscht und wer lacht.“ Ob Satire alles dürfe? „Ja, natürlich darf Satire alles. Und was genau Satire darf, entscheidet die Bundeskanzlerin.“ Und auf die Frage, ob er Merkel denn noch möge, antwortete der Satiriker: „Ich spreche hiermit der Bundeskanzlerin Angela Merkel mein vollstes Vertrauen aus.“

Außerdem hat Böhmermann einen geplanten Auftritt in einer US-Talkshow wegen der Kontroverse um sein Schmähgedicht. Er begründete die Entscheidung damit, dass er sich nicht als erstes in den USA zu der Affäre äußern wollte. „Ich fand das eine doofe Idee, das das erste Mal in einer amerikanischen Talkshow zu machen. Weil das wirkt dann so ein bisschen, als würde ich wirklich denken, ich sei Ai Weiwei“, sagte Böhmermann am Mittwoch. In ein oder zwei Monaten solle der Auftritt aber nachgeholt werden. Bei welchem Talkmaster er auf der Gästeliste steht, sagte er nicht.

Jan Böhmermann gibt sich im aktuellen Video nachdenklich, polemisch und gut gelaunt, wie gewohnt. Er nimmt weder sich, seine Fans oder den Rest der Medienwelt ganz ernst.

 

Zu der angekündigten Show auf Spotify äußert er sich allerdings nicht.

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