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Fernsehen

12. Dezember 2017 | 15:36 Uhr

Medien : Hotel Lux

vom

Die Uliza Twerskaja 10 in Moskau ist ein historischer Ort: 1911 wurde dort ein vierstöckiger Wohnbau gebaut, 1921 richtete die Kommunistische Internationale in dem Gebäude ihr Gästehaus ein.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 00:27 Uhr

In den 30er Jahren bekamen politisch Verfolgte aus dem Ausland hier im «Hotel Lux» Unterschlupf, unter ihnen auch einige Deutsche wie zum Beispiel der SPD-Politiker Herbert Wehner oder der spätere DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht.

Vor wenigen Jahren entdeckte auch der deutsche Film die Herberge als Motiv. «Hotel Lux», an diesem Montag auf Arte (20.15 Uhr) als TV-Erstausstrahlung zu sehen, ist unter der Regie von Leander Haußmann zu einer schwarzen Komödie geworden, die im Herbst 2011 in die Kinos kam. Etwas mehr als 150 000 Menschen wollten den Film sehen, gut 1,1 Millionen Euro spielte das Stück wieder ein.

Michael «Bully» Herbig schlüpfte in die Rolle des Stalin-Parodisten Zeisig, der wegen seiner Hitler-Witze für die Nazis irgendwann nicht mehr tragbar ist. Bei Nacht und Nebel flieht er und landet im Hotel Lux. Zeisig bekommt auch dort politischen Gegenwind, hat aber Glück: Denn der Geheimdienst hält ihn für Hitlers Leibastrologen. Dafür muss der Komiker fortan Stalin die Zukunft vorhersagen - ein Job, bei dem er mit seinem Leben spielt.

Eines Tages taucht Zeisigs bester Freund Siggi Meyer (Jürgen Vogel) auf, früher für seine Hitler-Parodien umjubelt und nun ebenfalls auf der Flucht. Dritte im Bunde ist die Kommunistin Frida van Oorten (Thekla Reuten). Sie will von Moskau aus die Welt retten. Doch bald sind die drei in großer Gefahr. Um zu überleben, entwickeln sie einen aberwitzigen Plan.

«Mit Zeisig eine naive, vollkommen unschuldige Figur ins Rennen zu schicken, war die einzige Möglichkeit für uns, das zu erzählen und das auch in diesem Zusammenhang unterhaltsam zu machen», sagte Regisseur Haußmann zur Kino-Premiere vor knapp zwei Jahren. Verharmlosend sei der Film keinesfalls, im Gegenteil: «Ich sehe, dass wir für das Genre sehr weit gegangen sind.»

Zeisig und Meyer begreifen erst langsam, dass ihre Erfahrungen als Parodisten von Hitler und Stalin nützlich sein könnten. Schließlich lavieren sie sich nur noch mit Galgenhumor durch die Schrecken ihres Alltags. Auch Stalin (Valery Grishko) wird entmystifiziert. Bei seinen Geheimtreffen auf der Toilette wirkt er wie von Sinnen, ein betrunkener Irrer, dessen Machtspiele aber leider für viele Menschen fatale Folgen haben.

Den Kritikern gefiel der Film zumeist: «Bully» Herbig reise für seine bislang heikelste Rolle in jene Moskauer Herberge, in der sich deutsche Kommunisten vor den Nazis versteckten - «und verwandelt das "Hotel Lux" in ein höchst unterhaltsames Horrorkabinett des Sozialismus», schrieb «Spiegel Online». Die Ereignisse würden «historisch einigermaßen korrekt gezeigt, inhaltlich aber burlesk ins Absurde verschoben», meinte «Süddeutsche.de».

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